Dienstag, 19. August 2008
Demnächst werden die Dessous wieder Einzug halten auf der liebepur - ich meine, wenn ich schon immer empfehle, doch auf das "Darunter" so gut zu achten wie auf die gut sitzenden Jeans - dann kann ich mir auch leisten, mal ein bisschen für die schicken Seiten der Liebe zu werben, oder nicht?
Dieses Lied von Serge Gainsbourg (Interpretation von Jane Birkin) drückt am besten aus, was ich damit sagen will.
Mit einer neuen Kampagne will neu.de offenbar die Singles anlocken, die sich beim Online-Dating bislang noch nicht so richtig vorstellen konnten, wie die Schmetterlinge in den Bauch kommen. Wie man sieht: nun sind sie da.
Das Haar bedeckt weite Teile unseres Körpers – und es lässt sich leicht manipulieren: von der Möglichkeit, es zu färben über jene, es zu trimmen bis hin zur völligen Entfernung.
„Lablue“, eine Web 2.0-Anwendung, die sich neuerdings als „Dating-Chat“ bezeichnet, gibt dazu folgende Mitteilung an die Presse (Auszug) : „Laut einer aktuellen Umfrage können sich mehr als die Hälfte aller befragten Frauen einen Partner mit Glatze vorstellen. Gute Aussichten für alle haarlosen Mitglieder auf der Flirt-Plattform lablue.“
Das mit der Glatze habe ich ja noch verstanden, aber die Haarlosigkeit? Also: falls Sie sich gerade einer Vollkörperenthaarung unterzogen haben: Ihre Chancen beim Dating steigen.
Bereits gestern haben ich Sie auf den unsäglich tendenziösen, aber dennoch lesenswerten Artikel einer Frau Magerl hingewiesen. Zwischen den Zeilen können wir dabei immer wieder lesen. „Im Prinzip ist die Liebe schon ökonomisch bestimmt – aber mir, der Autorin, passt dies nun mal nicht“.
Originaltext: „Ökonomen wollen die Liebe logisch und berechenbar machen. Sie versuchen, wirtschaftliche Begriffe wie Angebot, Nachfrage oder Wettbewerb auf Beziehungen anzuwenden, als handele es sich dabei um einen kalkulierbaren Warenaustausch“.
Sehen Sie, liebe Leserinnen und Leser, wir können die Welt natürlich mit den Augen der Gebrüder Grimm sehen – dann haben sie die Liebe und nichts als die Liebe – ohne Angebot, Nachfrage und Warenaustausch. Da schenken die Zwerglein das Schneewittchen einfach her, das sie zuvor nicht für alles Gold in der Welt verhökern wollten – und Generationen von Deutschlehrern verherrlichen dann solche Texte.
Das Bürgertum hat so etwas mit Bedacht erfunden: für schluchzende und an nach erfüllter Liebe lechzende Fräuleins, um sie von jeglicher Realität fernzuhalten – so ähnlich wie den Weihnachtsmann und den Klapperstorch. Die jungen Leute sollten weder mit dem schnöden Kapital noch mit dem Geschlechtlichen in Berührung kommen: deswegen der ganze Budenzauber. Wie man die Mitgift zusammenbrachte, hatte das Töchterchen nicht zu interessieren, und ebenso wenig, dass die junge Frau erst in der Hochzeitsnacht mit der schnöden Realität des Geschlechtsverkehrs konfrontiert wurde – zumeist so brutal, dass sie ihn anschließend mied, so gut es eben ging.
Bitte: Wer A sagt, muss auch B sagen, und wer das Wort Romantik ausspuckt, sollte auch „Kitsch“ sagen können. Die Möglichkeit aber, in der Realität Partner zu finden, richtet sich nach Angebot und Nachfrage und kann lediglich mit Fleiß, Flirtbereitschaft und etwas Glück korrigiert werden.
Ich kann nichts daran ändern, wenn erwachsene Frauen noch an den Weihnachtsmann – Pardon, an den Traummann glauben. Doch dies weiß ich: Dort draußen sind einfach Männer – und zum Traummann werden die Jungs erst, wenn man sie in die Arme schließt und ganz fest an den Traum glaubt – nur, bevor sie mich jetzt der Verbreitung von Kitsch bezichtigen: Dazu muss man erst mal einen eingefangen haben.
Montag, 18. August 2008
Die Süddeutsche Zeitung wagt ein Stück Kulturkritik – und wo, bitte schön, könnte man da besser ansetzen als bei der Liebe, die vom Kapitalismus nun schnöde verramscht wird?
Mitnichten, liebe Sabine Magerl und mit Verlaub, das hätten Sie besser recherchieren können:
„ Die romantische Liebe ist tief in der westlichen Vorstellung verwurzelt, obwohl sie erst rund 200 Jahre alt ist – eine recht kurze historische Phase.“
Wie so viele andere auch, verwechselt die SZ-Autorin die gesellschaftlichen Realitäten mit den kulturellen Wunschvorstellungen: Zwar erhob das Bürgertum die romantische Liebe schnell zu ihrem Ideal – aber sie dachte gar nicht daran, sie zu praktizieren. Wie denn auch? Da waren Töchter zu verhökern, die sich nur gegen eine beachtliche Mitgift absetzen ließen – und das blieb praktisch im ganzen 19. Jahrhundert so. Erst das 20. Jahrhundert stellte – zunächst sehr zaghaft – die romantische Liebesheirat in den Vordergrund inklusive der bis dahin noch unbekannten „weißen Hochzeit“, nach der heute noch der romantische Teil der Bürgermädchen schmachtet.
Was bleibt? Ein lesenswerter Artikel, der viel Licht auf den Partnermarkt wirft. Der freilich hat mit der romantischen Liebe nichts zu tun, sondern mit der Verfügbarkeit von Partner – was jemandem vielleicht nicht einleuchten mag, der in einer deutschen Großstadt lebt. Doch sollte man ihm (und Ihnen allen da draußen) vielleicht sagen, dass es in Finnland, Schweden und Norwegen noch Gegenden gibt, in denen die Partner dünn gesät sind – ganz zu schweigen von manchen Gegenden Kanadas und der Vereinigten Staaten von Nordamerika, die so heftig wegen der Marktbetrachtungen attackiert werden.
Auch dies sollte man wissen: Markt wird nicht herbeigeredet – er existiert einfach – und ihn wegreden zu wollen, ist nicht romantisch, sondern ein Zeichen von beginnender Fehleinschätzung der Realität.
Über: Be2
Zur Höhe der Mitgift: bitte schön, hier.
Offenbar hält es der Herr von Miller (aka Michael, der Herr Kunsthändler in Sat1 mit Briefadel) für eine artgerechte Behandlung von afrikanischen Beziehungsanwärterinnen, ungefragt mit rohem Fleisch verköstigt zu werden.
Ich, für meinen Teil, halte es für stillos. Was meinen Sie?
Merkwürdig, dass sich Frauen immer noch solche Fragen stellen: Darf eine Frau einen Mann ansprechen?
Die Fragen können in jeder beliebigen Abwandlung gestellt werden: Darf eine Frau einen Mann in einer Singlebörse ansprechen? Darf eine Frau einen Mann zum Essen einladen und schließlich: Darf eine Frau einen Mann ins Bett locken?
Zwei Dinge hindern Frauen offenbar daran, es zu tun: Der Erste, dass der Mann sie für eine Schlampe, Hure oder etwas Ähnliches halten könnte, und der Zweite, einen Korb zu bekommen.
Das mit der Schlampe müssen Sie, liebe Damen, bitte schön mit sich selbst ausmachen – etwas emanzipiertes Verhalten wäre da wirklich angebracht. Das mit dem Korb ist aus meiner Sicht wirklich ein wenig an den Haaren herbeigezogen. Schließlich bekommen Frauen auch nach Blind Dates hin und wieder einen Korb.
Fast ein Drittel (genau 31 Prozent) der „reiferen Jahrgänge“ zwischen 45 und 54 hat sich im Internet kennengelernt – zu diesem überraschenden Ergebnis kam jetzt eine Studie von Harris Interactive, die während einer Zeit von 18 Monaten im Jahre 2006 und 2007 erstellt wurde. Da ausschließlich Ehepaare gezählt wurden, dürfte die tatsächliche Prozentzahl noch bei Weitem darüber liegen.
Insgesamt trafen sich bereits 19 Prozent alle Ehepaare online, während je 17 Prozent sich am Arbeitsplatz oder durch Freunde kennenlernten. In der Vorgängerstudie waren es erst 14 Prozent, die sich im Internet kennenlernen.
Quelle: New Scientist
Monster.com, das beliebte Portal für die Jobsuche, verliert nach einem Bericht der Online Dating Post offenbar viel Geld an der erst kürzlich neu aufgenommenen Dating-Sparte. Das für angebliche 30 Millionen US-Dollar gekaufte „ Love Happens“ wurde jedenfalls vor einiger Zeit dicht gemacht.
Sollte man da sagen: Schuster, bleib bei deinen Leisten? Oder besser. Machen sie nur Geschäfte, die auch zu Ihnen passen?
Nachtrag: Die Meldung ist, wie ich gerade feststelle, nicht besonders neu - die Tatsache aber bleiben bestehen.
Sonntag, 17. August 2008
Solche Berichte hasse ich besonders: Ohne Angabe einer genauen Quelle und nur unter Berufung auf eine „Studie aus Österreich“ werden hier Zahlen veröffentlicht, die sehr interessant wären, wenn sie denn stimmen würden – was (wie leider allzu oft) nicht nachprüfbar ist.
Nach der angeblichen Studie hätte ungefähr die Hälfte der Partnersuchenden kaum eine Chance. Jene wollen nämlich nicht, dass ihr Foto „für jeden User“ zugänglich ist – wörtliches Zitat: „Sie wollen lieber selber entscheiden wem sie Ihr Foto sehen lassen und wem nicht“.
Fragt sich: Was wollen sie denn überhaupt von sich preisgeben? Ich meine: Wer an den Markt will, muss sich auch zeigen – und dabei das Risiko in Kauf nehmen, dass ihn jemand als Partnersuchenden identifiziert, der zufällig auch Mitglied beim selben Partnerdienst ist.
Samstag, 16. August 2008
Da haben wir es, Büromiezen und Datenquäler – euer Stern sinkt, wenn ihr nicht regelmäßig Sport treibt.
Das klingt dann so: „38 Prozent der Singles in Deutschland geben an, regelmäßig Sport zu treiben, um auf dem Singlemarkt eine gute Figur zu machen“. Aha, also erstens waren es nicht 38 Pozent der deutschen Singles, sondern 38 Prozent der Befragten und zweitens – oh bitte, liebe Freunde von parship: seid ihr ganz sicher, dass eure Leute Sport treiben „um auf dem Partnermarkt eine gute Figur zu machen?“ keine anderen Gründe? Dass sagt mal, was mache die Leute dann, wenn sie mal am Partnermarkt Erfolg hatten? Dann fällt der Grund doch weg, oder?
Freitag, 15. August 2008
Das Be2 Blog feiert gerade das 10-miilionste Mitglied – dazu könnte man nun einen Toast aussprechen: ein wunderbarer Erfolg für euch – und ein Beweis dafür, dass gutes Marketing und eine eher zurückhaltende Werbung auch den gewünschten Erfolg bringen.
Nun frage ich mich hier bloß – warum wurde dann eigentlich die Torte für 20 Millionen Mitglieder bestellt? Hat sich da der Konditor versehen?
Laut dem „Großen Singlebörsenvergleich“ hat man 1,9 Millionen Mitglieder in Deutschland – aber wie viele davon zahlende, aktive Mitglieder sind, weiß nur die Buchhaltung von be2 – und die gibt darüber keine Auskunft. Das gilt allerdings für alle derartigen Dienstleister.
Schade ist es schon – denn nur aus der Anzahl der tatsächlichen Mitglieder lässt sich die Erfolgsquote berechnen, die Be2 übrigens auch nicht als Wert mit nachprüfbaren Kriterien herausgibt. Auch dort ist man – im Übrigen – in bester Gesellschaft. Niemand außer parship hat bisher gewagt, die Erfolgsquote zusammen mit der Zahlenherkunft zu nennen.
Bildquelle: © 2008 by be2-Blog
ElitePartner hat sein oft als konservativ und verstaubt beschriebenes Blog aufgegeben. Wer will, kann nun allerdings in einer Art Hauszeitschrift von ElitePartner auch weiterhin seine Lieblingsautoren finden:
• Das Trennungsblog von Sebastian Leyendecker
• Das Partnersucheblog von Lisa Fischbach
• Das Liebeskummerblog von Silvia Fauck
• Das Rezepteblog von Daniel Hengstler
• Das Alleinerziehendenblog von Annette Riestenpatt
• Das Kniggeblog von Sabina Blecken
• Das Eifersuchtsblog von Dr. Marcus Damm
• Das Sexualitätsblog von Volker Drewes
Die Sache ist poppig und feminin aufgemacht und will damit offenbar einen aufgeschlossenen, weiblichen Leserkreis ansprechen. Ob man ihn erreicht, bleibt fraglich: Vorläufig wirkt alles eher wie eine Mitgliederzeitschrift, die noch nicht so genau weiß, welche Ziele sie einmal verfolgen will.
Auffällig ist, dass die Themenpalette nicht auf Partnersuchende und ihre Bedürfnisse zentriert ist. Nach wie vor sind auch konkrete, aktuelle und lebensnahe Informationen im neuen Magazin rar – und auch die kleinen Flitter des Lebens, wie Klatsch, Humor, Mode und Schönheit kommen zu kurz, falls man wirklich Frauen als Zielgruppe im Auge hatte.
Zu den Vorteilen des neuen Magazins gehört vor allem, dass eine Vielzahl von Autoren am Werke ist, die sich auf ihren jeweiligen Fachgebieten als Experten auszeichnen. Sollte es ihnen nun noch gelingen, ihre Themen etwas zu modernisieren und auch heißere Eisen anzupacken, als dies bisher der Fall war, so werden die Inhalte des Magazins möglicherweise auch außerhalb der ElitePartner-Welt eine Leserschaft finden.
Ausgesprochen nachteilig ist allerdings, dass die Artikel bislang nicht wirklich in der üblichen Blogform zur Verfügung stehen. Wer die Artikel beispielsweise per RSS abonnieren will, wird recht unprofessionell gefragt, ob er sich „für weibliche oder männliche Mitglieder“ interessiert.
Wer sich ansehen will, welche Alternative es gegeben hätte, sollte das Elite-Magazin mit dem (ebenfalls noch recht neuen) be2-Blog vergleichen.
Donnerstag, 14. August 2008
Heute biete ich Ihnen nur einen Verweis auf eine fremde Webseite an –und was ich dort schreibe, ist ganz schön provozierend. Aber leider eine Tatsache, denn viel Partnervermittler, Branchenkenner und sonstige Dating-Insider haben schon festgestellt, dass westdeutsche Frauen im Inland an „Marktwert“ verlieren. Gesucht werden vor allem ostdeutsche Frauen, aber auch EU-Inländerinnen aus unseren östlichen Nachbarländern.
„Klar“, argumentieren da die einfacher belichteten Frauen, „die kommen ja wegen der Kohle nach Deutschland und nicht wegen der Kerle“. Wer so etwas glaubt, man weiterhin im Dornröschenschlaf verharren, denn es ist oft das „gewachsene Selbstbewusstsein“ der Frauen jenseits der deutschen Grenzen im Gegensatz zu dem oft „aufgesetzten Selbstbewusstsein“ der deutschen Frauen.
Verallgemeinerungen sind – wie immer - eine Provokation. Aber das sollen sie hier auch sein.
Also: ihre Meinung, bitte.
Mittwoch, 13. August 2008
Eine Datingseite in den USA will festgestellt haben, dass Videodating nicht wirklich funktioniert. Der Grund soll darin liegen, dass zwar fast drei Viertel der Männer die Meinung vertreten, dass man Frauen beim Anflirten unbedingt sehen muss – dass aber die Frauen selbst darüber ganz anderer Meinung sind: Nur ein gutes Drittel wollte sich beim Flirt begucken lassen.
Mark Brooks meinte dann auch, dass es die Speeddating-Anbieter nicht gerne hören würden: Sie haben voll auf Webcams gesetzt.
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