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Das Dating-Verhalten: die Wort-Hure mit Wissenschaftsanstrich

Mein Dating-Verhalten? Oh, ich bin einfach wundervoll, oder was meinen Sie?

Mein Dating-Verhalten? Oh, ich bin einfach wundervoll, oder was meinen Sie?

„Das Dating-Verhalten“. Bleischwer liegt das Wort irgendwo am Grund des Meeres, längst von Algen überwuchert, untergegangen in den unberechenbaren Strömungen der Wwerbung. Es ist einer dieser Wortzwitter, auf die man schon beim bloßen Ansehen eine Breitseite schießen möchte: Ein plakativer, greller, US-amerikanischer Begriff wird prall aufgeblasen, um größer zu wirken: Dating. Was das Wort heißt? Verabreden. Mehr nicht. In den USA ist es allerdings auch eine Art Kult, weshalb man dort auch von einer Dating-Kultur spricht. Nun aber paart sich die Worthure mit der Wissenschaft und bringt „das Verhalten“ ein. Was ist aber das Verhalten? Es ist alles, was wir von dem empfinden, sehen, messen und beobachten können, was Menschen an Äußerungen von sich geben. Womit auch klar wird: Das Wort „Dating-Verhalten“ ist eine Verballhornung dessen, was wirklich geschieht.

Damit keine Missverständnisse entstehen: Es ist immerhin möglich, dass ich dieses Wort mehrfach selber gebraucht habe – zumeist in Verbindung mit sogenannten „wissenschaftlichen“ Studien, die sich üblicherweise nicht darum scheren, wie sie Begriffe verhunzen.

Also gebrauche ich es auch hier noch einmal. Die Aufgabenstellung eines Kollegen an Blogger war „Wie Singlebörsen das Dating-Verhalten verändert haben“. Merkwürdig daran ist, wie stark das Medium „Internet“ über den Begriff „Singlebörsen“ dabei in den Fokus tritt. Hatten nicht auch Tanzhallen, Diskotheken, Klubs, Zeitungen, Zeitschriften und konservative Telefone einen Anteil daran, dass wir mit der Partnersuche anders umgegangen sind? Und waren da nicht Zeitströmungen, die gar nichts mit den Medien oder Balzplätzen zu tun hatten?

Haben wirklich „Singlebörsen“ unsere Partnersuche beeinflusst? Ist es nicht viel mehr so, dass uns das Internet neue Möglichkeiten eröffnet hat, oder dass es zumindest die Basis verbreitert hat, um uns passende Partner zu suchen?

Mit anderen Worten: Haben sich jene, die einen Partner suchen, durch das Internet nur neue Möglichkeiten eröffnet?

Singlebörsen werden oft überschätzt. Sie sind im Grund genommen datenbankbasierte Anzeigenportale. Das war und ist ein Vorteil gegenüber reinen Anzeigen, die man alle lesen muss, wenn man über ein Medium einen Partner finden will. Nunmehr also war es möglich, zu selektieren, was für die ersten Benutzer ein Riesenvorteil war. Immerhin konnte man nun nach Postleitzahl und Alter suchen, und gelegentlich ein bisschen nach Bildung und Interessen. Je mehr Personen sich dort allerdings zusammenfanden, umso verwirrender und nichtssagender wurde die Suche.

Es hat sich also etwas verändert. Keine Frage. Singlebörsen und ihre goldbehauchten Ableger, die Online-Partervermittler, bringen vor allem die viel Beschäftigten, die Sucher mit festen Vorstellungen und die Kosmopoliten zusammen. Hinzu kommen Menschen ab 35, die nach langem Zögern nach einer festen Bindung suchen sowie alle jene, die nach Scheidung oder Trennung eine neue Beziehung eingehen wollen.

All diese Menschen haben etwas gemeinsam: Die Zweisamkeit ist für sie kostbar, zu kostbar, um sie einfach zu verspielen.

„Das“ Dating-Verhalten? Was für ein Unsinn! Die Möglichkeiten der Partnersuche haben sich verändert, kein Zweifel. Die Konsequenz der Partnerwahl aber nicht. Nach wie vor sitzen sich am Ende zwei Menschen allein zu dem Zweck gegenüber, die Person des Anderen begierig zu erforschen, Passungen und Widerstände zu beleuchten und sich vielleicht auch haltlos zu verlieben.

Das Wort „Dating-Verhalten“ ist dafür völlig unpassend.

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