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Die Medien und die Partnersuche – sensationslüstern und effektheischend

DIE ZEIT bringt etwas Erhellendes: warum Medien und Autoren in Deutschland (und nicht nur hier) mit Katastrophenmeldungen, Anschuldigungen und Beschämungen locker Kasse machen.

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Es geht – wieder einmal – um die Jugend. Wenn sie je ein Buch über die Jugend schreiben wollen: Schreiben Sie, dass sie Scheiße ist und nur Klamotten, Starkult, Sex und Computerspiele im Kopf hat. Geben sie der gerade aktuellen Jugend-Generation einen Namen etwa, „Parasiten des Jazzkellers“ (1) oder „Generation Porno“ (2). Benennen Sie dann irgendwelche Schuldigen (welche ist ganz egal) und prahlen Sie mit wissenschaftlichem oder pädagogischem Sachverstand – belegfrei, versteht sich.

Ich zitiere aus der ZEIT:

Die Deutschen kaufen diese Geschichten mit geradezu masochistischer Wonne. Auch wenn die Thesen auf maßlosen Übertreibungen, belegfreien Behauptungen und irregeleiteter Nostalgie fußen.

Masochistische Wonne, nostalgische Romantik

Ich kann all diese Fakten barrierefrei auf die Aufnahme von Beziehungen übertragen: Die masochistische Wonne der Frauen, über die eigenartigen, befremdlichen oder erniedrigenden Ergebnisse ihrer Partnersuche zu berichten. Die absolut aus der Luft gegriffenen Ratschläge, die irrsinnigen Warnungen von „Lügen“. Der nostalgisch verklärte Rückbezug auf die Romantik der Großmütter – all das ist inzwischen zur Regel geworden. Aber – und auch da stimme ich mit der ZEIT überein: Es ist nicht die Normalität.

Pseudo-Kultur und Pseudo-Wissenschaft – immer gern genommen

Die Presse, ja, sogar die „seriösen“ Bürgerblätter, das Fernsehen, leider auch ARD und ZDF, und der inzwischen verhurte Buchmarkt – sie alle arbeiten daran, um der Sensation willen die Wahrheit zu verdrängen. Bücher, in denen nichts als ein verdammtes Dummgeschwätz steht, werden besprochen – weil sie ja Kultur sind. Die windigste wissenschaftliche Behauptung wird sogleich mit Pseudo-Belegen unkritischer Flachköpfe und dreister Interessenvertreter belegt, und kommt damit zur Popularität.

Die Branche sonnt sich im gegenwärtigen Journalismus

Der Branche ist dies übrigens durchaus recht. Sie selbst ist drauf angewiesen, dass Journalisten das oberflächliche, dümmliche und manipulative Gewäsch veröffentliche, das sie in regelmäßigen Abständen an die Presse gibt. Dann gieren männliche Singles plötzlich danach, alleinerziehende Partner zu finden, dann wieder stehen „klassische Familienmodelle stehen hoch im Kurs“. Nicht zu vergessen, dass man wissenschaftlich fundierte Testmethoden verwendet, um die Kompatibilität herzustellen – die Presse glaubt es, und wenn sie es nicht glaubt, dann lässt sich sich eben am wie ein Zirkusbär am Nasenring durch die Manege führen.

Kaum jemand kauft die Wahrheit

Dazu passen auch dummdreiste Meldungen wie die, dass sich nur wenige Menschen „online“ kennenlernen, oder dass die Neigung, zu heiraten, bei Online-Paaren gering ist. Die Wahrheit hingegen wird nicht „gekauft“, obgleich sie keineswegs ernüchternd ist. Immerhin haben sich bereits einige Hunderttausend Online-Paare gefunden, und möglicherweise haben sie sogar geheiratet. (Bei 20 Prozent Online-Paaren an den Eheschließungen ist diese Zahl innerhalb von zwei Jahren locker zu erreichen.(3))

Befingern und verspotten

Randgruppen, wie die bekannten urbanen Akademikerinnen, die angeblich kein Partner finden, die perspektivlosen männlichen Verlierer, die von Frauen „liegengelassen“ werden, wurden auch von mir behandelt. Es gibt sie, sicherlich. Aber sie sind nicht die Regel am Partnermarkt. Man geht auf den Markt, um einen Partner zu finden – nicht, um das „Angebot“ zu befingern und dann darüber zu spotten, wie es weibliche Buch-Autoren mit Vorliebe tun.

Zicken-Blogs hauen in die gleiche Kerbe

Zicken und Machos sind das Lieblingsthema in den einschlägigen Blogs und Foren. Entweder man ist eine aktive Zicke (oder ein aktiver Macho) und fühlt sich toll dabei, oder man schreibt über irre Machos und belämmerte Zicken. Beides hat einen Vorteil: Man wird gelesen – gleich, ob das Volk schimpft oder jubelt.

Die Wahrheit kommt kaum noch vor

Kann man überhaupt noch Wahrheiten verkünden, wenn man von allen Seiten zugeblökt wird? Ich bezweifele es mittlerweile. Die Menschen in Deutschland (und vermutlich auch anderwärts) wollen lesen, dass es Menschen gibt, die „echt Scheiße“ sind – und vergessen dabei in den Spiegel zu schauen.

(1) Eines der Kapitel in „Muchow – Jugend“, Erschienen 1959.
(2) groß aufgemacht im Stern TV.
(3) Nach Erhebungen des Singlebörsen-Vergleichs bei deutschen Standesämtern, in Relation zu den Eheschließungen in Deutschland.

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