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Muschi-Macht, Männer-Polarität und Unabhängigkeit

Mann sein - kein Korb-Männlein?

Mann sein – kein Korb-Männlein?

Es musste ja mal so kommen: Es reicht nicht einfach, ein Mensch zu sein, obgleich androgyne Charaktere im Leben erfolgreicher eingeschätzt werden als sowohl weibliche wie männliche. (Ich schreibe noch darüber). Nein, wir müssen Frauen oder Männer sein, und als Frauen oder Männer müssen wir auch noch ganz bestimmte Gruppenkriterien erfüllen. Warum? Ach, fragen Sie doch nicht – weil ein wirklich freier, individueller und unabhängiger Mensch allen anderen Menschen als merkwürdig erscheint. Ein Fußballer ist ein Fußballer ist ein Fußballer. Von dem hat man bestimmte Vorstellungen. Aber ein Individualist? Jemand, der selbstständig denken und handeln kann? Der sagen kann, was er will? Handeln kann, wie er will? Ja, der ist eben „so schrecklich schwer“ einzuschätzen, nicht wahr?

Nehmen wir mal an, heute würde jemand ein Buch schreiben: „Attraktive Weiblichkeit – verführe Männer mit Muschi-Macht“ dann würden die meisten Frauen auf die Palme gehen und andere von der Palme herunterkommen, um mit heißem Kopf das Buch zu lesen. Darüber nachdenken? Glauben, was darin steht? Gar eine Rezension schreiben für die letzten verbliebenen Mauerblümchen, die mit Kussmund, süßen Nippelchen und offenen Schenkeln Männer fangen wollen, denen es aber dennoch nicht gelingt? Nein.

Das Buch hießt allerdings „Attraktive Männlichkeit“, trägt den Untertitel „Verführe Frauen durch männliche Polarität“, ist von Anchu Kögl, und ist (nach meinen Recherchen) im Buchhandel nicht erhältlich. Ansonsten wird den Frauen im Buch (wie ich in Beispielen las) attestiert, sich „weit entwickelt“ zu haben, während wir Männer einfach „verschlafen“ haben, unser Männlichkeit zu entwickeln und stattdessen den Frauen nachlaufen wie die Schoßhündchen. Nun ja, nicht alle, aber alle, die Frauen gefallen wollen. Also alle, die heterosexuell sind. Oh Pardon: Auch nicht diejenigen, die ihre Männlichkeit schon polarisiert haben.

Also machen wir etwas falsch, und das, was wir falsch machen, ist: nicht männlich genug zu sein. Das ist so ungefähr das, was das Buch hergibt. Und natürlich, dass „Mann“ all dies ändern kann, wenn man nur will. Ja, und wenn wir es denn, geändert haben? Aha – dann können wir Frauen „haben“, statt ihnen nachzulaufen.

Fragt sich nur, ob „Frauen haben können“ die Frage beantwortet, wie ein sinnvolles Leben gestaltet werden kann. Aber darüber machen sich offenbar eher Individualisten Gedanken als Verfechter einer markanten Männlichkeit.

Bild Aus einem Plakat für den Kraftmenschen Sandow.

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