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Professor Hassebrauck erläutert „Matching“

Wenn man Partnerübereinstimmungstests, das sogenannte „Matching“, genau untersucht, stößt man schnell auf Ungenauigkeiten und Unschärfen. Dies zeigt sich sogar, wenn prominente Fachleute aus dem Psychobereich dazu befragt werden.

So sehr nämlich Professor Hassebrauck selbst der Meinung ist, das „Gleich-und Gleich-Prinzip“ sei das „Gelbe vom Ei“, so sehr differenziert er sogleich wieder. „Gleich“ wird zu „ähnlich“, und die zuvor von Hassebraucks Kollegen so vehement favorisierten Eigenschaften (1) werden „bereinigt“.

Modebegriff der Psychologie: „Beziehungsrelevante Eigenschaften“

Wie das Kaninchen aus dem Zauberhut kommen dann am Ende „beziehungsrelevante Eigenschaften“ heraus. Diese Auffassung ist zwar relativ neu und wohlklingend, aber ebenso unscharf wie alle anderen Meinungen auch. In dem Artikel, aus dem ich zitiere, heißt es beispielsweise:

Zu den beziehungsrelevanten Eigenschaften gehörten etwa das individuelle Bedürfnis nach Nähe und Distanz, der Umgang mit Geld, die Familienorientierung und die Kindererziehung.

Diese Konstruktion kling interessant, ist aber möglicherweise ebenso aus dem Hut gezogen wie das sprichwörtliche Kaninchen: „Nähe und Distanz“ sind zwar plausible, gleichwohl aber schwammig definierte Eigenschaften. Die Familienorientierung oft nicht eindeutig feststellbar, und die Kindererziehung ist eher ein Zukunftsprojekt – bleibt eigentlich nur der Umgang mit Geld. Und das soll es gewesen sein?

Nein, das war es nicht. Denn die Psychologie behauptet gar nicht, Paare perfekt „matchen“ zu können – wer dies behaupten würde, müsste mit Hohn und Spott seitens seiner Kollegen rechnen. Das weiß natürlich auch Professor Hassebrauck, den das „Hamburger Abendblatt“ am Ende des Artikels wie folgt zitiert:

«Erst im Alltag lernten sich Partner „richtig“ kennen … Die Informationen kommen peu à peu, ergänzen oder korrigieren das Bild, das wir von einer Person haben.“ »

Des einen Eule ist des anderen Nachtigall

Was letztendlich bedeutet: Die Eigenschaften, die für eine Beziehung wichtig sind („Beziehungsrelevante Eigenschaften“), werden von jedem Partnersuchenden unterschiedlich bewertet. Im Grund weiß jeder Partnersuchende nur selbst, welche Eigenschaft so wichtig ist, dass er sie unbedingt am anderen vorfinden möchte – oder dass sie ihn so sehr stört, dass er besser auf eine Beziehung verzichtet. Ist der Partner verschwenderisch, weil er spendabel ist? Schränkt er die Freiheit ein, weil er zu genau wissen will, wie denn der „Mädchenabend“ der Freundin ablief? Oder ist vielleicht Humor, Sinnlichkeit oder Verständnis für ihn eine eine „beziehungsrelevante Eigenschaft?

Die Psychologie steht also immer noch mit fast leeren Händen da, wenn es um die Partnersuche geht. Lediglich die Formulierungen sind in den Weichspülgang geschickt wurden.

Lesen Sie bei mir nach – warum „Gleich und Gleich“ dennoch gilt, aber aus ganz anderen Gründen, und warum Gegensätze sich nicht anziehen, wohl aber gelegentlich ergänzen.

Was können Sie aus diesem Artikel entnehmen?

1. Psychologen versuchen, die unsäglichen Behauptungen der Anfangszeit des Online-Datings zu relativieren. (Fünffaktorenmodell, Myers-Briggs).
2. Es treten neue, vereinfachte und realistischere Modelle in den Vordergrund. Das ist zunächst positiv zu bewerten.
3. Der Wahrheitsgehalt der neuen Modelle ist zwar ebenso fragwürdig, aber sie sind leichter verständlich.

Übrigens sage ich Ihnen hier noch etwas als Ex-IT-Organisator: Die Psychologen überschätzen ihren eigenen Einfluss auf das Endprodukt. Jedes derartige Programm hat „Stellschrauben“, mit denen die Ergebnisse „geglättet“ werden können. Das ist kein böser Wille, sondern eine Notwendigkeit.

(1) Zum Beispiel nahezu alle Ähnlichkeiten, die sich aus den angeblich „abgesicherten“ Eigenschaftspaaren des „Fünffaktorenmodells“ ergeben.

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