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Partneragenturen: fragwürdige Fragebögen und eigenartige Einstellungen

Rat von oben herab

Rat von oben herab

Menschen gehen nicht zu Online-Partervermittlern, weil sie dies für geniale Unternehmen halten, die über den Heiligen Gral der Partnersuche verfügen. Die meisten von ihnen sind auch keinesfalls überzeugt davon, dass die Werbesprüche, die dabei hinausposaunt werden, gut und richtig sind. Viele kämpfen sich eher befremdet durch die Fragenkataloge, lesen kopfschüttelnd die „aktuellen Tipps“, wie sie sich verhalten sollen, und werden wütend bei der altväterlichen Art, mit der sie als Partnersuchende behandelt werden. Aber: Sie suchen einen Partner, und weil dies ihr Ziel ist, fressen sie sich durch die Puddingwände, um ins Schlaraffenland der Liebe zu kommen. Was sie dort erwartet? Menschen. Ganz gewöhnliche Menschen und nicht ganz so gewöhnliche. Das ist alles, und das ist, verglichen mit dem Aufwand an Geld und Emotionen, aber auch mit den Erwartungen und Versprechungen, natürlich viel zu wenig.

Lange Zeit wurden diese Aspekte unterdrückt – auch von mir. Vor allem über einen Aspekt habe ich erst sehr spät geschrieben: Über die Charaktereigenschaften, die ein Mensch haben muss, um sich tatsächlich einem Fragebogen zu unterwerfen. Üblicherweise heißt es: „Nun ja, vor allem Frauen sind neugierig, was bei Psycho-Test herauskommt – sie betrachten dies als eine Art Spielchen.“ Ganz falsch ist das nicht, denn der Urheber eines einschlägigen Psycho-Tests für eine bekannte deutsche Partneragentur hatte zuvor bereits solche Tests für Publikumszeitschriften entwickelt. Sie dienten der Unterhaltung – das war ihr Sinn.

Die seltsame Liebe zu Fragebögen

Wer sonst unterwirft sich freiwillig einem Fragebogen? Wer verzweifelt einen Job sucht? Oder verzweifelt einen Partner? Wer zwanghaft handelt? Wer wissenschaftsgläubig ist? Wer sich dem Urteil anderer unterwirft? Oder gar, wer devot ist, ein rechter Untertan nach deutscher Art? Sie meinen, diese Ansichten seien abwegig? Keinesfalls.

Ich habe Grund, dies zu schreiben, denn die anfängliche, unqualifizierte Kulturkritik am Online-Dating ist inzwischen zu einer vielstimmigen, qualifizierten Kritik geworden. Die Online-Partervermittler gelten mittlerweile als eine Art „Beschleuniger“ einer äußerst bedenklichen Geisteshaltung, dem elitären Anspruchsdenken. Sicher – sie werden in diesem Zusammenhang auch für etwas verantwortlich gemacht, was sie nicht zu vertreten haben. Denn die Tendenz, die Nase viel zu hoch zu tragen, ist eine allgemeine Zeiterscheinung unter den selbst ernannten Pseudo-Eliten.

Warum sind Online-Partnervermittler so blass und konservativ?

Wer tiefer in die Welt der Online-Partervermittler eintaucht, wird mit jedem Mal verwirrter: Er entdeckt blasse, unnahbare Gestalten, die dort „zuständig“ für die Liebe sind, altbackene Einstellungen, bürgerlichen Mief, Küchenpsychologie, nasenrümpfende Arroganz gegenüber Andersdenkenden und viele Formen von Gängelung. Nicht nur, sicherlich. Aber viel zu viel davon.

In einem neuen, gerade erst erschienenen Buch wird dies verdeutlicht, härter und direkter als jemals zuvor. In einem Kernsatz wird die Arroganz zusammengefasst:

Wir haben euch ja richtig ausgesucht, nur ihr habt es versaut … was nicht funktioniert, kommt in den Reparaturbetrieb der Therapie.

Man könnte es noch einfacher und überspitzter sagen: Wer nicht mit den Prinzipien der Psycho-Tests und Dating-Tipps einverstanden ist, muss zwangsläufig meschugge sein.

Das 21. Jahrhundert ist da – kommen Online-Partnervermittler dort noch an?

Ich denke, es gäbe für die deutschen Unternehmen, die im Buch genannt werden, einen einfachen Weg, diesen Vorwürfen zu begegnen: Sich von den Wurzeln beginnend zu reformieren und zu modernisieren. Wer im 21. Jahrhundert Partnervermittlung betreibt, der sollte auch bereit sein, im 21. Jahrhundert anzukommen.

Übrigens: Ich sehe auch das Buch, aus dem ich zitierte, als kritisch an – allerdings aus anderen Gründen. Eine Rezension folgt.

Zitat: Matuschek: Das Romantische Manifest – Schluss mit der Suche nach der perfekten Liebe, Berlin, März 2014

Anderer Meinung? Sie sind eingeladen, Stellung zu beziehen.

Bild: Aus einer Illustration „Alice in Wonderland“ von ca. 1920, Illustrator: Hudson, Farben nach dem Original aufgehellt.

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