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PARSHIP setzt Wissenschaft gegen Wissenschaft – und klärt wenig

Geheimwissen, Wissenschaft, Illusion?

Geheimwissen, Wissenschaft, Illusion?

Jahrelang sind Online-Dating-Unternehmen auf dem „wissenschaftlichen“ Gleichheitsprinzip herumgeritten – bis es die Wissenschaft zu Fall brachte. Theorien, Professoren und Eigenbrötler mussten herhalten, um jedes „wissenschaftliche“ Prinzip der Börsen zu beweisen. Um mal bei den Theorien anzufangen: Man bezog sich entgegen besseren Wissens auf Sigmund Freud und Carl Gustav Jung, die nicht die Bohne an die Partnersuche gedacht hatten. Dennoch behauptet auch PARSHIP in der Eigenwerbung:

Eine zentrale Rolle spielen Erkenntnisse von Georg Simmel, H.J. Eysenck, Sigmund Freud und C.G. Jung.

Das Neueste: Ablenken von C.G Jung, Myers-Briggs und den „Big Five“

Inzwischen wird versucht, von C.G. Jung abzulenken, auf dessen Persönlichkeitsmodellen unter anderem das Modell von Myers-Briggs beruht. Einen anderen Ansatz verfolgt das Fünffaktorenmodell, der „heimlichen Basis“ nahezu aller Matching-Programme. Seit es allerdings Zweifel an der Verwendbarkeit gibt, versuchen Dating-Unternehemen inzwischen, sich ebenso still und heimlich von den „Big Five“ zu verabschieden.

Die neueste Aussage dazu kommt dann so herüber (PARSHIP):

In diesem Zusammenhang möchte ich (PARSHIP-Mitarbeiterin) auch erwähnen, dass unser Matching nicht auf dem Big Five-Modell basiert. In diesem Punkt stimmen wir Wissenschaftlern wie Eastwick zu: Die Betrachtung der fünf Dimensionen des Big Five erlaubt kaum eine Aussage darüber, wie glücklich und stabil eine Partnerschaft ist oder sein wird.

Nehmen wir einmal an, das würde stimmen – woher nimmt beispielsweise PARSHIP seine Weisheiten? In einem Artikel, der sich immerhin noch auf den 31.01.2013 zurückführen lässt, lässt man Professor Schmale zu Wort kommen, PARSHIPs ersten Matching-Guru.:

Die „Formel“ lautet auf den Punkt gebracht: so viel Übereinstimmung wie möglich und so viel Verschiedenheit wie notwendig. Die Grundlagen dafür, wo Übereinstimmung und wo Verschiedenheit geboten ist, sind theoretisch und empirisch abgesichert und liefern die wissenschaftliche Basis für ein erfolgreiches Matching.

Wissenschaftlich und empirisch abgesichert? Das lesen wir jedes Mal, wenn sich eine Online-Partneragentur äußert, und niemals wird gesagt, wer, wann wie und wo welche Informationen zur Verfügung stellte, um einen zutreffenden Partnertests entwickeln zu können.

Das neue „wissenschaftliche Matching“ – neue Behauptungen, neue Namen

Doch wie funktioniert das angeblich „wissenschaftliche“ Matching heute?

Wer es wiesen will, dem werden eine Menge Wissenschaftler um die Ohren gehauen: Da kommt der „Wunsch nach Nähe und Distanz“, der angeblich durch „Berne 1970, Eysenck 1981, Peirano 2008 und Wunderlich 2012“ belegt wurde, sowie die Übereinstimmung (oder wenigsten „Ähnlichkeiten“) von „Einstellungen, Werten und Zielen“, die ebenfalls als wissenschaftlich sicher bezeichnet werden.

Nun hat der wissenschaftlich nicht sonderlich beschlagen Leser überhaupt keine Möglichkeit, sich mit diesem Wust von wissenschaftlichen Beiträgen zu beschäftigen – und ich sage Ihnen als recherchestarker Journalist auch, dass ich es Leid bin, jedem wissenschaftlichen Krümel nachzuspüren.

Wenn es zutreffende Matching-Modelle gäbe, wären sie transparent

Wenn es ein zutreffendes Matching-Modell gäbe, dann wäre es wissenschaftlich transparent darstellbar und nachprüfbar. Die ist allerdings nicht der Fall: Ein solches Modell existiert nicht. Stattdessen werden Modelle verwendet, in die eine Menge Annahmen und Meinungen eingearbeitet sind – aber das traut man sich nicht zu sagen.

Übrigens zweifeln nicht nur Wissenschaftler, sondern durchaus auch gestandene Eheberater an dem angeblichen Segen der Matching-Verfahren. Sie sagen uns schlicht und einfach, keinerlei Garantie dafür geben zu können, dass „psychologische“ Persönlichkeitsmerkmale zusammen passen. Und Einstellungen, Werte und Ziele? Die können sich im Laufe eines Lebens erheblich ändern – so, wie sich Menschen nun einmal entwickeln und nicht in ihrer Persönlichkeit erstarren.

Mein Vorschlag: nicht auf wissenschaftlichen Prinzipien herumreiten. PARSHIP ist ja im Grunde sehr sympathisch und kann zahlreiche „Paarungen“ nachweisen. Meiner Meinung nach schadet es nur, ständig das „wissenschaftliche Prinzip“ zu strapazieren. Die Liebe Pur setzt sich übrigens seit langer Zeit kritisch mit dem Thema „Gleich und Gleich“ auseinander.

Bild: Nach einem Plakat für den Illusionisten Zati Sungur

2 Antworten auf PARSHIP setzt Wissenschaft gegen Wissenschaft – und klärt wenig

  1. Herumreiten wollen wir auf unseren Prinzipien nicht; aber wir wissen aus langjähriger Erfahrung, dass bei der Partnerwahl ein paar wissenschaftliche Gleichungen (oder eben auch Ungleichungen) definitiv nicht schaden.

    Natürlich möchten wir das gern möglichst transparent und verständlich darstellen – aber so wie Coca Cola sein Rezept nicht offenlegt, verraten wir nun mal auch nicht alle Bestandteile unserer Liebesformel.

    Letztlich haben Sie natürlich recht: Das Ergebnis ist es, was zählt. Und das sind in unserem Bereich glückliche Paare. Dafür arbeiten wir voller Leidenschaft, denn etwas Schöneres kann es nicht geben. Und wenn die Beiden auch langfristig miteinander harmonieren, vielleicht oder gerade weil etwas Wissenschaft mit im Spiel war, umso besser.

    • Hallo Frau Höpfner,
      Vielen Dank für Ihren Beitrag. Auf die Formulierung kommt es an – denn so, wie Sie es HIER schreiben, stimme ich ja durchaus zu, zumindest darin, dass letztendlich das Ergebnis zählt – ob mit oder ohne Wissenschaft. Wie sie an anderer Stelle bei mir nachlesen können, halte ich Matching-Prinzipien nicht für falsch – allerdings aus völlig anderen Gründen. (Barnum-Effekt und Vorstellungseffekt). Hinzu kommen natürlich Übereinstimmungen in den persönlichen Zukunftsvorstellungen – die kann man tatsächlich „abmatchen“.

      Die Sache mit dem Erfrischungsgetränk habe ich schon mal gehört – Ihr Haupt-Mitbewerber benutzt dafür einen Parfümnamen. Ich erlaube mir, diese Aussagen weiterhin zu bezweifeln, weil sie einfach fadenscheinig sind.

      Soviel ist jedenfalls sicher: Das „wissenschaftliche Matching“ ist und bleibt ein Werbeargument. Allerdings habe ich den Eindruck, dass es in letzter Zeit nicht mehr so gut ankommt, wie vor Jahren. Darüber nachzudenken, könnte lohnend sein – auch für PARSHIP.

      Grüße aus Thüringen

      Gebhard Roese

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