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ElitePartner: der Spagat um Ansprüche

Im folgenden Beitrag setzte ich mich weniger mit den Fakten auseinander als viel mehr mit der rhetorischen Aufbereitung eines Phänomens: Wie kann man „Ansprüche“ als etwas Positives bewerten, sodann infrage stellen, ob sie nützlich sind und sie schließlich als „Stolpersteine“ einzustufen? Im Beitrag, aus dem die Zitate stammen, wird es versucht. Es ist – aus meiner Sicht – ein Lehrstück in Rhetorik. Deswegen war es unvermeidlich, mehr wörtliche Zitate einzubauen als sonst üblich.

Ansprüche nicht erfüllt?

Ansprüche nicht erfüllt?


Aufmerksamen Beobachter von Beiträgen der Webseite ElitePartner-Magazin stellen in letzter Zeit fest, dass man dort einen behutsamen, aber stetigen Kampf gegen die „Anspruchshaltung“ führt.

Um das zu tun, ist allerdings ein Spagat nötig, der extrem viel geistige Beweglichkeit erfordert, um es positiv auszudrücken. Denn einerseits fördert die Werbung von ElitePartner die Erwartungshaltung der Interessenten, zum Beispiel durch Claims wie „Akademiker und Singles mit Niveau“ oder „nur passende Partner“ zu vermitteln. Andererseits aber muss ElitePartner diese Behauptung aber wieder relativieren, um Mitglieder davon zu überzeugen, dass Perfektion eine Einbahnstraße ist.

Wie das funktioniert, kann man in einem aktuellen Artikel nachlesen (1). Zunächst heißt es, „hohe Ansprüche an sich selbst sind grundsätzlich sehr lobenswert“. Wie man unschwer erkennen kann, wird hier das Wort „Ansprüche“ positiv in die Diskussion eingeführt, um es im Folgenden weiterverwenden zu können. (Zitat): „Hohe Ansprüche an die Partnerschaft sind ebenfalls positiv zu sehen.“ Die Begründung folgt, ist aber nicht eben logisch:

Wer eine lebendige, kommunikative und konstruktive Partnerschaft wünscht und erwartet, der fühlt sich häufig motiviert, viel selber dazu beizutragen.

Was hat das, bitte schön, mit den Ansprüchen zu tun? Das ist eine Entwicklung, die man psychologisch oder auch außerpsychologisch begründen kann, die aber ursächlich nichts mit „Ansprüchen an den Partner“ zu tun hat, schon gar nicht vor dem Kennenlernen.

Als ob das von der Elite-Parter-Autorin behauptete nun eine ausgesprochen tief greifende Erkenntnis wäre, fährt sie fort:

Ja, Sie hören richtig: Man selber und der Partner tragen den gleichen Anteil. Das bringt zum Ausdruck, was Beziehung ausmacht: Das Sich-aufeinander-beziehen.

Der Spagat ist somit zwar nicht gelungen, und auch im zweiten Absatz, „Beziehungen führen ein Eigenleben“ wird zunächst nichts anderes behauptet, als das, was den meisten Paaren geläufig ist. Zitat:

Unser Beziehungsleben ist immer eine Mischung aus den Bedürfnissen beider Partnern, aus der Art und Weise, wie mein Partner auf mein Verhalten reagiert.

Im dritten Absatz wird nun das, was im ersten Absatz mühsam als „positiv“ verkauft wurde, relativiert:

Schwierig wird es, wenn die Ansprüche und besonders die äußerst hohen Ansprüche nur an den Partner gerichtet werden. Weist diese Rechnung auf lange Sicht eine Schieflage auf, steigt die Unzufriedenheit. Wer also seine Ansprüche überwiegend in die Verantwortung des Partners legt, hat schnell den Schuldigen ausgemacht, wenn es nicht mit dem großen Glück klappt.

Nehmen wir einmal an, das wäre korrekt, so ist doch die Frage, was diese Aussage nun mit der Partnersuche und Partnerwahl zu tun hat, denn der gesamte Absatz bezieht sich auf die Entwicklung in bestehenden Beziehungen.

Im vierten Absatz lesen wir dann den Umkehrschluss: Weil sich Beziehungen nicht durch Ansprüche und den Wunsch nach Perfektion realisieren lassen, schreibt die Autorin:

Dem Ganzen liegt die Illusion zugrunde, dass mit dem Anspruch an den perfekten Partner auch die perfekte Partnerschaft garantiert wird. Doch das ist ein gehöriger Trugschluss. Wer seine Ansprüche an einen Partner sehr hoch hält ohne Verhandlungsspielraum, läuft nicht selten Gefahr, Beziehung zu verhindern.

Damit schließt sich der Kreis: Zu Anfang wurde noch behauptet, hohe Ansprüche an den Partner seien positiv zu sehen, nun wird relativiert – denn auf die Spitze getrieben heißt dies: Hohe Ansprüche an den Partner verhindern eine sinnreiche Partnersuche.

Man kann dies herunterbrechen: Wenn „sehr hohe Ansprüche“ an den Partner die Partnersuche nahezu verunmöglichen, dann „behindern hohe Ansprüche“ die Partnersuche. Letztendlich bleibt aber die Frage, ob nicht jeder „Anspruch“ dazu führen könnte, die falschen Bäume anzubellen. „Erwartungen“ oder „Wünsche“ wären geeignetere Begriffe – denn obgleich man das eigene Leben mit „Ansprüchen“ befrachten kann, sind „Ansprüche“ an andere so gut wie nicht durchsetzbar, weil man schlicht und ergreifend keinen Anspruch auf einen Partner hat.

Alle Zitate aus: Elite Partner Magazin.

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