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Die dreisten Besetzer der Liebe

Drei Gruppen von Menschen wollen wissen, was Liebe ist: Theologen, Soziologen und Psychologen. Na schön, und die Philosophen – aber irgendwie schweben die ohnehin über uns wie die Götter. Blieben noch die Biologen, die diesen Teil des Lebens schlicht als das „Gefühl, sich fortpflanzen zu müssen und Nachkommen aufzuziehen“ definieren würden. Waren es nicht auch die Dichter, die wissen wollten, was Liebe ist?

Ich erinnere mich an den Bestsellerautor Sven Hillenkamp, der das Buch „Das Ende der Liebe“ schrieb und es 2009 veröffentlichen dufte. Es wurde ein Erfolg – teils dadurch, dass er von Misanthropen gelobt wurde, teils, weil er von Kulturkritikern und Bildungsbürgern vehement beklatscht wurde. Das Schlimmste aber war, dass er glaubte, die Deutungshoheit über „die Liebe“ zu besitzen.

Inzwischen las ich viele Bücher von Menschen, die glauben, „alles“ über die Liebe zu wissen, und nicht alle kommen aus der Soziologie-Ecke. Der schlimmste Titel erschien gleich im Folgejahr, als der Sozialpsychologe Manfred Hassebrauck „Alles über die Liebe“ wissen wollte. Das Buch basierte zwar teils auf langjährigen Forschungen, konnte aber seine Einseitigkeit nicht lange verbergen – nein, das ist kein Buch über „die Liebe“.

Alles wäre nun noch nicht so schlimm, wenn sich mittlerweile nicht jeder Redakteur anmaßen würde, „die Liebe“ zu verstehen. „Die Liebe in den Zeiten des Online-Datings“ ist von vornherein ein absoluter Blödsinn, weil hier nicht einmal die Liebe gemeint ist, sondern der Zustand des Kennenlernens und die damit verbundene Verliebtheit. Nun las ich gerade mal wieder, dass es die Apps sind, die möglicherweise „die Liebe“ ruinieren, und selbst eine als seriöse geltende Zeitung fragte sich jüngst: „Hat Liebe in Zeiten von Tinder noch eine Chance?

Die Invasion des Begriffs Liebe

Die Invasion beim Begriff „Liebe“ für alles, was sich wie Sozialkitt, Nachbarschaftshilfe, Freundesliebe, Gefühlsduselei, Kennenlernen oder Sex anfühlt, ist natürlich nicht neu. Doch den Begriff zu besetzten und dann sofort schamlos für alles verwenden, was man nicht so genau erklären kann, ist inzwischen widerwärtig und grenzt an Volksverdummung.

Klar – auch mir entgeht nicht, dass ich den Begriff der Liebe gelegentlich nach Art des Volksmunds verwende und dabei nicht präzis genug bin. Aber wann immer dies geschieht, schäme ich mich ein wenig. Und doch bin auch ich darauf angewiesen, Wörter zu verwenden, die eingängig sind.

Doch ich bin nicht in der Lage, das ganze Volk oder wenigstens die Bildungsbürger oder Abonnenten von Tageszeitungen zu verdummen. Hingegen nehmen sich Wissenschaftler, Buchautoren und Journalisten einfach die Freiheit, das Wort „Liebe“ einseitig zu besetzten und nach Belieben zu verwalten.

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