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Die Ungeküssten

Früher nannte man eine Frau, die niemals geheiratet hatte und auch die fleischlichen Lüste auch sonst verschmäht hatte, in übertriebener Höflichkeit eine „Ungeküsste“. Man sah ihr mit den Jahren zumeist an, dass sie dergleichen sowohl begehrte als auch entbehrte, dann war sie eine „Matrone“ oder schlicht eine „alte Jungfer“. Andere Ausdrücke waren nicht weniger unfreundlich: Man sagte, diese Frauen seien „sitzen geblieben“ oder „hätten keinen (Mann) abgekriegt.

Früher: Bleib keusch, Mädchen

Die Gründe dafür sind vielfältig, aber sie waren indirekt die Folge der „Keuschheitserziehung“. Hatte die Frau das vermeintliche Glück, verheiratet zu werden oder eine sogenannte „Liebesheirat“ einzugehen, war sie aus dem Schneider. Dann „durfte sie“, ja, es wurde gar von ihr erwartet, den Geschlechtsverkehr auszuüben und dabei möglichst noch Vergnügen zu haben – oder dergleichen wenigstens zu heucheln.

Ach, alte Zeiten … kaum eine westliche Frau der 2010er Jahre wird noch in dieser Weise denken. Frauen sind nicht nur frei in der Wahl ihrer Partner, ihnen wird auch nicht mehr vorgeschrieben, dass sie erst den Ehestand (oder wenigstens ein Verlöbnis) eingehen müssen, bevor sie sich sexuell vergnügen dürfen. Die letzten Jahre haben gezeigt: Frauen sind sehr wählerisch geworden und picken sich gerne die Rosinen aus dem Männerkuchen – ob mit oder ohne Bindung. Der „Klub der Ungeküssten“ hat sich gewandelt in ein anderes Phänomen: ältere Frauen, die zwar alles genossen haben, aber nie einen Mann festhalten konnten.

Männer – oh, plötzlich ist alles anders

Männer haben lange Zeit Scheuklappen gehabt, wenn sie auf Partnersuche gingen. Die Emanzipationsbewegung der 1970er war kurz und heftig, betraf jeden Mann das eine oder andere Mal, hinterließ aber noch keine Kerben in der Männerseele. Der Mann war flexibel, ließ sich auf manche Kompromisse ein oder wich ihnen aus, indem er Frauen heiratete, für die „Emanzipation“ kein aktuelles Thema war. (1)

Erst in neuester Zeit, spätestens aber seit den 2000er Jahren, hat sich das Blatt gewendet. Frauen sehen im Mann keinerlei Notwendigkeit mehr, sondern empfinden ihn als Ergänzung eines Lebens, das sie auch allein führen könnten. Leben sie nicht in festen Beziehungen, dann holen sich ihre Lust, wann, wie und wo sie geboten wird. Eine Beziehung wird als Option angesehen, und die Ehe ist zwar immer noch möglich, aber nicht das alleinige Ziel.

Der Beziehungsmarkt für Männer bröckelt

Das hat unweigerlich Auswirkungen auf den Beziehungsmarkt. Der Mann, der sich eine Frau wünscht, muss etwas vorweisen. Für einen ONS oder ein wildes Wochenende mögen Macho-Eigenschaften noch ausreichen, für eine Beziehung aber nicht mehr. Und wer das Pech hat, körperlich oder gesundheitlich eher schwach zu sein, keinen vernünftigen Beruf zu haben oder ein ständig leeres Konto, der wird heute von Frauen oftmals ausgegrenzt, oder, wie man heute auch sagt, liegen gelassen.

Die ungeküssten Männer

Die ungeküssten Männer können einsam und enttäuscht sein, oder sie können sich zusammenrotten und den Frauen die Schuld an ihrem vermeintlichen „Schicksal“ geben. Man nennt ihre Gruppen auch die „Manosphere“. Hier trifft sich, wer angeblich von Frauen abgelehnt wurde, und wir treffen dort auch alte Bekannte: die PUAs, die Lunte gerochen haben und nun die „Betas in Männer“ verwandeln wollen –freilich nun unter ideologischen und extrem frauenfeindlichen Gesichtspunkten.

Wir könnten einfach sagen: Es ist eine „Männer zuerst“-Bewegung, die uns ja inzwischen aus der Politik bekannt ist. Weiße Männer zuerst, reiche Männer zuerst, „richtige Kerle“ zuerst. Aktivisten für Männer-Rechte (MRA’s), Incels und wie sie noch alle heißen. Rechthaber ohne Rechtfertigung.

Männer verschlafen die Zeit, sich anzupassen

Nehmen wir sie mal lieber die „Ungeküssten“. Sie haben versäumt, sich der Zeit anzupassen, und sie kämpfen gegen eine freie und gleiche Gesellschaft. Sie wissen nicht, wie Frauen denken, weder traditionelle Frauen noch moderne Frauen. Frauen sind für sie letztlich unbekannte Wesen, die sie auch gar nicht erst verstehen wollen. Sie sehen in ihnen nur den Schritt (um andere Ausdrücke zu vermeiden), den sie erobern wollen.

Die Frauenrechtlerinnen sehen in ihnen eine Gruppe, von der potenzielle Gefahren ausgehen, und wie alle Internet-Bewohner, halten sie das, was dort verbreitet wird, für die einzige und vollständige Realität.

Lösungen gefordert statt Schuldzuweisungen und Zoff

Doch in Wahrheit ist es eine Tendenz, die auch unter „bereits geküssten“ und friedfertigen Männern für Verstimmungen sorgt. Man wird ihre Argumente (wenn sie welche anführen können) nicht vollständig ignorieren können. Denn immerhin hat jeder Mensch das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit – und zu ihr gehört auch, seine Sexualität angemessen ausleben zu können.

Und nun? Nun müssen wir sehen, wie wir die Männer (und sicher auch manche Frauen) die uns ins Sektiererische „ausgebüxt“ sind, wieder integrieren können. Denn die gegenseitige Zuweisung von Schuld zwischen Frauen und Männern ist in jedem Fall gesellschaftsschädlich.

(1) Teils, weil Emanzipation in ihren Ländern noch kein Thema war und teils, weil das Thema längst abgehakt war, wie in den meisten ehemaligen „sozialistischen“ Ländern.

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