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Überhöhung und Erniedrigung – das Geschlechter-Karussell

Objektiv gesehen hat sich viel verändert im Lauf der Geschichte, und das zeigt der Rückblick: Adlige Frauen wurden in wohlanständigen Lobliedern so stark überhöht, dass unsere Gesichtslehrer die moralische Essenz der „Hohen Minne“ lobten. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden dann Loblieder auf Huren gesungen, die selbstverständlich nicht als moralisch wertvoll galten. Doch gemeinsam ist beiden: Die Frauen wurden überhöht, und siehe: So waren sie nicht in Wahrheit. Weder die Damen des Adels noch die Huren.

Wenn ich Sie heute frage:

„Was ist besser: viel Geld für eine Frau zu bezahlen oder eine hübsche Summe Geldes zu bekommen, falls man sie heiratet?“ was würden Sie sagen?

Sehr wahrscheinlich würden Sie ihr kluges Haupt schütteln und mir sagen: Aber, mein Herr, was für eine Frage – Frauen sind doch keine Ware!“

Da haben Sie recht – und doch gab es Zeiten, in denen Sie für eine Ehefrau viel Geld oder Geldeswert zahlen mussten. Und es ist noch nicht so schrecklich lange her, dass der umgekehrte Fall eintrat: Sie bekamen eine hübsche Mitgift, falls Sie bereit waren, eine Bürgertochter zu heiraten.

Kaum jemand hat damals darüber nachgedacht, ob es sich nun um „Überhöhung“ oder „Abwertung“ handelte. Erniedrigt blieb eine Frau durch die Ehe ohnehin: Der Vater übergab die „Besitzrechte“ an ihr an den Verlobten – in der Blüte des Bürgertums wurde dieser „Deal“ mit Handschlag und Ehevertrag besiegelt – wohlgemerkt: zwischen Brautvater und dem in Aussicht genommenen Ehekandidaten.

Damit die Tochter naiv und jungfräulich blieb, wurde die Romantik erfunden. In ihre ist die Frau liebevoll, schützenswert und rein in Körper und Seele, und sie sehnt sich danach, endlich in die Arme ihres Prinzen zu kommen. Noch in den 1960er Jahren wurde versucht, dieses „Fräulein-Reinheitsgebot“ durchzusetzen. Dabei kam es zu Überhöhungen – denn was unerreichbar (oder jedenfalls schwer erreichbar) war, musste j wohl von hohem Wert sein. Sprüche wie „Willst du was gelten, mach dich selten“, schwirren sogar heute noch in der Gegend herum. Ab und an ein Auftritt wie eine Prinzessin, vielleicht einem Mann die Huld versprechen, aber das Los dann nicht einzulösen – das war die Einstellung, die dahinter stand.

Erniedrigt wurden Frauen vor allem in der Ehe. Man bürdete ihnen vielerlei Pflichten auf, nicht nur die mokant vorgetragenen „Ehelichen Pflichten“, sondern oft die Verantwortung für Haus und Hof, Kirche und Kinder. Das konnte die Ehefrau noch von Glück sagen, wenn sie mit einem Batzen Geld als Mitgift verhökert wurde, denn dieses Geld stand ihr zu – und nichts sonst. Manche Frau wusste zu verhindern, alle zwei Jahre schwanger zu werden – andere aber ließen sich brav schwängern, weil das ja nun einmal ihre Pflicht war. Von „Überhöhung“ konnte keine Rede sein, und Vergewaltigungen durch den Ehemann waren oftmals an der Tagesordnung – vom Züchtigungsrecht einmal abgesehen.

Reste davon sind auch heute noch in Frauen und Männern vorhanden. Das Bürgertum wurde ja niemals „offiziell abgeschafft“, sondern seine Vorstellungen leben weiter in den Köpfen. Zwar nicht immer und überall, aber doch noch viel zu häufig. Im Grunde ist jede „große Hochzeit“ der letzte Beweis für die Überhöhung – da will die Braut einmal ein Prinzesschen sein.

Was im Grunde wichtig wäre, ist nichts als gegenseitige Anerkennung der Geschlechter oder der Partner vor der Ehe und in der Ehe. Und sicher: Wir dürfen ein bisschen Katz-und-Maus spielen, wenn es um die Partnerwahl geht. Spielen ist immer erlaubt, solange das Spiel nicht zu einer Farce wird. Aber wir sollten wirklich aufhören, Frauen zu „verehren“ – und sie sollten aufhören, „verehrt“ werden zu wollen.

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