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Warum es einfach ist, den Partner zu finden

Bei all dem sonderbaren Geschwätz über „Gleichheit“ und „Gegensätzlichkeit“ bei der Partnersuche wird etwas übersehen: das soziale Umfeld, das in gewisser Weise auch den ersten verfügbaren „Markt“ bildet. Solange das Dorf klein ist, fast alle Bauern sind und selbstverständlich Kirchgänger, ist die Sache ohnehin klar: Man muss nehmen, was angeboten wird. Klar kann die eine oder andere Bauerntochter auf den Apotheker oder Landarzt hoffen, genau, wie die Winzertöchter in württembergischen Universitätsstädten manchmal einen leibhaftigen Professor heiraten konnten. Aber die Masse der Frauen betraf das nicht.

Gleichheit war einfach – ein Blick in die Geschichte von zwei Jahrhunderte

Womit klar ist, warum sich so viele Menschen „unter Gleichen“ wiederfanden – sie hatten von vornherein keine andere Wahl. Überhaupt sind Wahlmöglichkeiten begrenzter als die meisten von uns denken. Lediglich in der Großstadt gibt es heute die „Melting Pots“, also die Orte oder Einrichtungen, in denen sich Erwachsene unterschiedlicher Art zusammenfinden.

Ich will sie nicht langweilen, sage es aber dennoch: Noch meine Großmutter war der festen Überzeugung, dass der Arbeiter die Arbeitertochter heiratet und der Beamte die Beamtentochter. Und auch Begegnungen zwischen Katholiken und Protestanten kamen gar nicht infrage. Immerhin war sie eine Tochter aus dem „besseren Kleinbürgermilieu“ in der Großstadt.

Klar – das ist kein Beweis, aber es ist ein typisches Abbild der Zeit in der Mitte des 20. Jahrhunderts in einer deutschen Großstadt.

Wie die Menschen ihren Horizont erweiterten – auch um Partner zu finden

Während es in den Kreisen der Künstler, Kaufleuten und Auswanderer immer schon Ehen unter „Ungleichen“ gab, war dies für Lieschen Müller nicht möglich – sie hatte bestenfalls die Chance, „hinaufzuheiraten“, und das hieß: auf die nächsthöhere Stufe der sozialen Hierarchie. Das war im 19. Jahrhundert eventuell durch eine hohe Mitgift möglich, während es im 20. Jahrhundert auch durch Charme, Attraktivität und Flexibilität möglich wurde. Erst als die Frau berufstätig wurde und dadurch flexibler und reisefreudiger, und als Frauen im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts in erheblichem Maße an die Universitäten drängten, wurde dies anders.

Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts, genau genommen erst seit höchstens 20 Jahren, besteht der globale, offen zugängliche Partnermarkt für alle Personen mit Kontakt- und Ehewünschen, den man als Online-Dating bezeichnet.

Warum ist es einfach, einen Partner zu finden?

Einfach wird es, wenn man in jungen Jahren zunächst am regionalen Markt innerhalb des eigenen Milieus sucht. Wird man dort nicht fündig, oder entspricht die Auswahl nicht dem, was man sich vorstellt, kann man die Großstadt mit ihren Melting-Pots ansteuern.

Wer bis 25 keinen Partner gefunden hat, sollte sich überlegen, die Suche zu intensiviere, denn weder die Anzahl der Partner steigt, noch verbessert sich die Qualität. Wer (beispielsweise beim Online-Dating) über eine „schlechte Qualität“ klagt, sollte bedenken, dass bereits ein Teil der „besten Qualitäten“ abgefischt wurde. Der Konkurrenzkampf wird also größer, und er ist mit Sicherheit am stärksten im Alter zwischen 25 und 35 – wobei Männer stärker über die große Konkurrenz klagen als Frauen. Weil Frauen zunächst nicht unter „Wettbewerbsdruck“ zu stehen scheinen, vergeben sie nicht nur viele Chancen, sondern stellen auch zu hohe Forderungen. Diese Situation mag als erbärmlich für den psychischen Zustand der Altersgruppe gelten, aber sie wird recht häufig beschrieben und gilt als sehr wahrscheinlich.

Wie Partnersuche einfacher und konkurrenzloser wird

Selbstverständlich „muss“ dies nicht so sein. Am Markt stehen etwa gleich viel heterosexuelle Frauen und Männer bereit, aber sie gehen oftmals von falschen Voraussetzungen aus. Abhilfe wäre möglich, wird aber nicht immer angenommen. Der einfachste Weg wäre, die als „Ansprüche“ getarnten Luxuswünsche drastisch zu reduzieren. Das ist keinesfalls ehrenrührig, sondern öffnet den Weg zu völlig neuen Perspektiven. Der andere Weg (hauptsächlich für Männer) besteht darin, die Nischen zu durchschnüffeln: Mütter, in Deutschland arbeitende EU-Bürgerinnen, aber auch Frauen mit abweichenden Vorstellungen von Lebensstil und Sexualität. Auch die Suche im angrenzenden EU-Inland ist vielfach eine Alternative.

Der Heiratsmarkt kippt mit gegen 40

Für Männer mag es sein schwacher Trost sein, dass Frauen von der Zeit gestraft, sie selbst jedoch belohnt werden. Denn ab spätestens 40 dreht sich der Markt: Frauen suchen Männer und erleben, was Konkurrenzdruck und Marktgesetze bedeuten, während viele Männer sich ruhig zurücklehnen können und nun „Frauen aussuchen“ können.

„Gesund“ ist dies nicht – aber leider auch kaum zu ändern –und der einzige Rat, den ich dazu geben kann, ist dieser: Jung (unter 25) suchen und denjenigen an sich binden, den man dann gefunden hat.

4 Antworten auf Warum es einfach ist, den Partner zu finden

  1. Tassilo sagt:

    Hallo Herr Roese, ich melde mich mal wieder. Ich bin jetzt 41 Jahre und merke noch nicht, dass sich der Markt dreht. Vielleicht liegt das daran, dass mich meine Mitmenschen deutlich jünger schätzen als ich bin. Bis vor einigen Jahren hielt ich das für einen Vorteil. Beim Online Dating war ich nicht erfolgreich. Ich habe es über parship versucht. Zum Glück hatte ich damals eine 30 Prozent Aktion erwischt. Allerdings suche ich auch unter erschwerten Bedinungen. Ich lebe „in der Pampa“ und bin beruflich ortsgebunden. Ab 50 Kilometer ist es mir oft schon zu weit. Ich hab in der Vergangenheit gemerkt, dass ich nicht der Typ für Fernbeziehungen bin. Aber sie haben ja mal gemeint (nicht nur in diesem Blogartikel), dass es oft nicht anders geht, als in der Ferne zu suchen. Bei diesem Thema sprechen Sie ja aus Erfahrung: Sie selbst haben früher ja auch mal in der Ferne gesucht (gemäß eines anderen Blogartikel).

    Viele Grüße

    Tassilo

    • Hallo Tassilo,

      ich habe einfach „in beliebiger Entfernung“ gesucht und in (aus Ihrer Sicht) großer Entfernung gefunden. Das Risiko dabei ist groß, aber tragbar. Zu den 40-plus – der Wandel beginnt nicht sofort, sondern setzt statistisch erst mit 40 ein, um dann aber stetig anzusteigen. Solche Änderungen treffen nie auf jeden einzelnen Menschen sofort zu. Die Sache mit „der Pampa“ ist sicher hinderlich, aber es gibt durchaus Frauen, die sich auch abseits der Großstadt wohlfühlen. Ich hoffe, Sie finden noch jemanden, der in Ihr Umfeld passt – und ein jugendliches Aussehen ist mit Sicherheit kein Hindernis.

      Beste Grüße (aus der Provinz)

      Gebhard Roese

  2. Tassilo sagt:

    Weil sich der Markt für Männer erst ab einem bestimmten Alter wandelt, dürfte jugendliches Aussehen wahrscheinlich hinderlich sein. Wie alt der Mann ist, steht ja nicht auf seiner Stirn geschrieben… Der Markt dreht sich für solche Männer dann erst erheblich später…

    • Hallo Tassilo,

      das glaube ich … nicht. Das Alter wird ja (zumindest online) sofort abgefragt. Wenn’s nicht im Gesicht geschrieben steht und auch sonst niregdnwo, kann man es doch immer noch am Verhalten erkennen. Glauben Sie mir: Bei Männer ab 45 steigen die Chancen bereits stark an, und ab 50 können Sie sich bei gutem Einkommen und halbwegs akzeptabler Erscheinung aussuchen, mit wem Sie ausgehen wollen.

      Beste Grüße

      Gebhard Roese

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