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Eine Beziehung auslaufen lassen – moralisch verwerflich?

Eric Hegmann hat mir ein neues Wort vermittelt: Ghosting. Hieß früher „sich auf Französisch verabschieden“ oder bei den Engländern „auf Holländisch“. Natürlich – die eigenen Leute machen es nie – immer nur die anderen.

Also, ich ghoste, du ghostest, er ghostet. Oder so ähnlich. Oder auch umgekehrt: Ich werde geghoasted, du wirst geghoasted … und so weiter. Es gab mal ein anderes Fremdwort dafür: Ignorieren (ignoriert werden) oder auf Deutsch: Den Kontakt meiden – oder gemieden werden.

Angeblich kommt „Ghosting“ in letzter Zeit oft vor. Heraus aus einer Beziehung ohne Worte, auch aus Beziehungen, in denen schon enge Bindungen bestanden. „Nicht beenden, auslaufen lassen.“

Die Sache hat einen Haken: Sie ist sehr mit Moralfragen befrachtet. Wurde eine Beziehung offiziell eröffnet, so sagt man sie in der Regel auch offiziell ab, so wie die Heirat und die Scheidung. Doch wenn sich ein Paar trennt, gleich, ob nach zwei Wochen oder zwei Jahren, dann ist etwas vorgefallen. Etwas, das man nicht bemerkt oder beachtet hat.

Das Dilemma: Wer „etwas auslaufen lässt“, der möchte vermeiden, den anderen zu verletzen. Er hofft daraus, dass der ehemalige Partner von selbst erkennt, dass sich die Bedingungen für das Zusammensein verändert haben. Er hofft, der andere möge einsichtig sein, möge erkennen, dass er derjenige ist, der gehen sollte. Manchmal wartet man eben darauf, dass der andere sagt: „Du, ich glaube, es ist aus zwischen uns.“

Ja, es ist feige. Aber nützt uns Männern (und sicher auch manchen Frauen) das Heldentum der Auseinandersetzung? Sagen Sie doch bitte einmal einer Frau nach sechs Monaten einer holprigen und nicht konsequent gelebten Beziehung, dass Sie sich das Leben mit ihr erheblich anders vorgestellt hatten. Dann bekommen Sie garantiert Ärger, zumal, wenn sie ihr zu oft nachgegeben haben in ihren Schrullen, Launen und Irrwegen.

Natürlich bleiben Fragen. Wenn „die rosaroten Wolken unter den Füßen weggezogen“ wurden, dann ist dies freilich schmerzhaft. Doch bitte schön: Trennungen nach langjähriger Ehe sind schmerzhafter und haben viel ernstere soziale Folgen. Und wer mit „Selbstzweifeln in der Luft hängt“, ist sicher nicht zu beneiden – aber ich kann soclhe Personen auch nicht wirklich bedauern. Selbstzweifel, die aus Beziehungen entstehen, sind nicht ungewöhnlich – und zumeist sind die Erklärungsversuche der Gegenseite nichts nütze, sondern oftmals noch kontraproduktiv.

Ja, es ist hart, verlassen zu werden – ohne Kuss und ohne Trost. Aber es ist selten ein Unglück. Jeder Tag bietet uns einen Neubeginn, und jeder Tag, den wir dem Ex-Partner nachtrauern, ist ein verlorener Tag. Vielleicht sollten wir eher dankbar sein, dass uns unser Ex-Partner, der die Beziehung „auslaufen ließ“ vor einem folgenschweren Fehler bewahrt hat – und wenn er aus Feigheit gehandelt hat.

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