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Sinnlich-philosophische Gedanken für Ihr Date

Flirtgesten müssen sicher nicht so extrem ausfallen ...

Flirtgesten müssen sicher nicht so extrem ausfallen …

Manchmal erhalte ich zweifelnde Blicke, wenn ich sage: „Legen Sie sich beim Date niemals fest, was daraus werden könnte, sondern spielen Sie alle Möglichkeiten in Gedanken durch.“Alle Möglichkeiten? Sie denken doch nicht etwa auch an Sex?“

Nein, im Moment hatte ich nicht „an Sex“ gedacht, sondern daran, dass Sie an Ihrer Begegnung Freude haben sollten, nichts auszuschließen und ihrem „ES“ den nötigen Spielraum zu geben, sich jederzeit anders zu entscheiden, als Sie es ursprünglich planten. Das könnte selbstverständlich auch zum spontanen Sex führen – Sex ist nichts Schlechtes, wenn Sie sich recht erinnern, nicht wahr?

Sigmund Freud ist perdu – das ES nicht

In einem Beitrag, den ich vor langer Zeit, noch recht naiv, als Selbstporträt verfasst habe, behaupte ich: «Der Schriftsteller kann aus dem „ICH“, dem „ES“ und dem „ÜBER-ICH“» heraus schreiben.“ Noch mehr aber kann es der Partnersuchende. Und – er sollte es sogar tun. Vor allem dort, wo es um Liebe, Lust, Leidenschaft, Leben, Musik oder Literatur geht, spielt das „ES“ eine große Rolle.

Nein, ich meine nicht das akademische „ES“ des Herrn Freud, dessen Werk längst in den Elfenbeintürmen verkommt. Denn dankenswerterweise gab es Eric Berne, der den Theoretiker Freud auf die Erde geholt hat und uns gelehrt hat, welche Spiele wir mit unseren „ICH“-Zuständen ausführen können.

Sachlichkeit beim Date ist eigentlich Selbstbetrug

Im Kennenlernen, im Flirt, in der Lust und in der Liebe spielt unser „ES“ – darüber haben zumindest Kommunikationsfachleute keinen Zweifel. Tatsächlich entsteht der Kitzel bei den knisternden Begegnungen, die wir „Dates“ nennen, aus der Unsicherheit, wie alles ausgehen wird, und den vielen Möglichkeiten, den Zufall dabei zu manipulieren und der diebischen Freude, wenn dabei Grenzen überschritten werden. Wenn Sie beim Date ausschließlich aus dem „ICH“ heraus handeln, erzeugen sie nichts als eine Art „Bewerbungsgespräch“ – alle ist äußerlich sachlich, aber voller geheimer Hoffnungen und Erwartungen. Denken Sie wirklich, dass Sie so handeln sollten? Betrügen Sie dabei nicht in Wahrheit sich selbst und den Menschen, dem Sie gegenübersitzen?

Falsch: „Was denken denn die Leute von mir?“

Freilich – sie könnten noch den schlimmeren Gesellen aus dem Hirn zauber, ihr „Eltern-ICH“. Das möchte Ihnen und ihrem Partner gerne vorschreiben, wie „man“ sich bei einem Date verhält, was „man“ tun darf und was nicht, was die „Leute“ denken würden – und letztlich, dass Freude am Leben kaum ein Lebensziel sein kann.

Lassen Sie Ihr ES frei – es will doch spielen

Das ES (ihr „Kindheits-ICH“) will doch spielen, nicht wahr? Allein der sinnliche Genuss, überhaupt mit einer schönen Frau an einem Tisch zu sitzen oder mit einem interessanten Mann zu sprechen, kann eine sinnliche Sensation sein. Wenn Sie es so sehen, haben Sie den ersten Schritt gemacht: sinnliche Freude am Spiel mit den Gesten und den Worten. Blicke zu senden und einzufangen, die Grenzen abzutasten, vielleicht zu überschreiten.

Ich denke, sie werden wirklich gerne zu einer Verabredung gehen, wenn Sie sagen: “Ich gehe jetzt auf meinen Spielplatz und erlebe etwas Interessantes. Vielleicht lerne ich etwas Neues dabei, was mir Freude bereitet.“

Sehen Sie, die Alternative ist grau und öde. Sie wäre: „Ich werde den anderen jetzt testen, ob er sich als Partner qualifiziert.“ Abgesehen davon, dass diese Möglichkeit keine Freude bereitet, ist sie auch so gut wie aussichtslos. Niemand will ein Zertifikat von Ihnen.

Das ES hilft Ihnen – es schadet nicht

Die Möglichkeit, das „ES“ und damit das Spiel in die Partnersuche einzubeziehen, ist niemandem so fremd wie deutschen Frauen über 40. Manche von ihnen bestehen vehement darauf, dass Dates „Prüfungssituationen“ sein müssen, in denen ausschließlich das ICH am Tisch sitzend darf und an denen am Ende das Urteil über den Kandidaten gefällt wird.

Wenn Sie so denken, mag Ihnen möglicherweise der Philosoph Wilhelm Schmid helfen, der in einem Gespräch mit der Wochenzeitschrift „DIE ZEIT“ sagte:

Entweder „Ich“ denke oder „Es“ denkt. Wenn „Ich“ denke, denke ich gezielt über etwas nach. Bis zu einem Punkt ist das ergiebig. Aber noch viel ergiebiger ist, wenn ich den Gegenstand meines Nachdenkens in den Hintergrund rücke und „Es“ denken lasse.

Meine Empfehlung geht dahin, ihr ES mit an den Tisch zu lassen, wenn Sie sich das nächste Mal wieder mit jemandem treffen. Deckeln Sie es nicht, sondern lassen Sie es agieren, wie es möchte. Versuchen Sie nicht, krampfhaft eine erstarrte „Erwachsene“ zu spielen – und schon gar nicht einen Elternteil, der den anderen bevormunden will. Ersetzen Sie ihren Standard „das kommt niemals infrage“ durch den Satz „Was kann dabei den schlimmstenfalls passieren?“ Sie werden sehen: Spielerisch finden Sie her den Weg zum Glück als durch feste Grundsätze.

Ich wünsche Ihnen dabei Glück und Erfolg.

Sind Sie Autorin? Dann habe ich einen ähnlichen Vorschlag für Ihre Figuren.

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