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Sex: Die frechen Etikettierer haben nichts mehr zu lachen

Porno? Sinnlich? Obszön?

Porno? Sinnlich? Obszön?

Versetzen wir uns einen Moment zurück ins 19. Jahrhundert. Alles, was die damaligen Moralisten und leider auch sogenannte „Wissenschaftler“ anfassten, bekam ein Etikett. Gestempelt, abgestempelt – das Kainszeichen auf der Stirn – und das alles so selbstverständlich, als ginge es um nichts anderes, als ein paar Schuhkartons zu füllen. Menschen ohne Etikett? Umstände ohne Etikett? Tendenzen ohne Etikett? Wie frivol – da läuft doch tatsächlich draußen ein freier Mensch herum, der sich nicht einordnen lassen will.

Dummbegriff „Heterosexualität“

Derzeit allerdings haben die pappnasigen Gralshüter immer weniger zu lachen. Kürzlich erschien das Buch: „Die erstaunliche kurze Geschichte der Heterosexualität“ (1). Das Buch handelt davon, dass Wissenschaftler die Heterosexualität als Begriff erfundenen hatten – im Gegensatz zur Homosexualität. Leider hat sich all dies als Schuss erwiesen, der niemandem nutzte: Inzwischen definieren sich sogar die Homosexuellen selbst nicht mehr über ihre sonstigen Eigenschaften, sondern über ihre Homosexualität. Und die heterosexuellen Spießer beeilen sich, der Öffentlichkeit zu sagen, dass sie heterosexuell sind und stolz darauf, weil sie dies für „normal“ halten. Beide Seiten sehen nicht einmal ein, wie lächerlich dies alles ist. Kein Mensch wird besser oder schlechter dadurch, dass er sich „in die Riege“ der Heterosexuellen oder Homosexuellen einordnet.

Dummbegriff „Sadomaso“

Ähnlich wäre es mit Abweichlern in den sexuellen Präferenzen, namentlich eher unterwürfigen oder eher dominanten Partnern. Sie werden nun schon seit über einem Jahrhundert als „Sadisten“ und „Masochisten“ tituliert, weil ein Psychiater gerne so gehabt hätte und es gegenüber der Wissenschaftswelt auch durchzusetzen vermochte. Noch heute schreibt die Sensationspresse von „Sadomaso“ und ähnlichem Tinnef. Dabei sind es einfache Menschen, die anders genießen – so skurril wie Vogelbeobachter oder Sammler von Modellflugzeugen. Auch auf diesem Gebiet wird es Zeit, mit der Bandmarkung aufzuhören. Man könnte dies auf viele Gebiete ausdehnen. Fußfetischisten sind keine Fetischisten, sondern Liebhaber (meist) weiblicher Füße. Warum sollen sie nicht die Füße küssen, wenn andere die Hände oder die Stirn küssen?

Dummbegriff „Pornografie“

Ich kenne keinen deutschen Wissenschaftler, der sagt: „Pornografie ist ein Begriff, der erfunden wurde, um die Lust des Volkes niederzuringen.“ Im Gegenteil: Jeder soziologisch angehauchte Franz und Fratz spricht über das Thema in einer Weise, als seien die abendländischen Werte in Gefahr – oder eben nicht. Aber für Pornografie gilt: Der Begriff ist ebenfalls so ein lachhaftes Etikett, das unsere Sittenwächter und Moralapostel „geschenkt“ haben. Und auch die Geschichte der Pornografie ist wirklich erstaunlich kurz. Nachdem der Begriff zuerst für die angeblich unzüchtigen Darstellungen in Pompeji verwendet wurde, entglitt er jeder vernünftigen Definition und landete schließlich in der Gosse: Schmutzliteratur, Schundliteratur, oder mal pseudo-intellektuell dahergeblubbert: „Einseitige Darstellung der Sexualität“. Hier erweist sich ein neues Buch als starke Waffe gegen die bürgerlichen, klerikalen, feministischen und Moral heuchelnden Gruppen, die Pornografie an liebsten verbieten würden. Es ist „Eine Geschichte des Sinnlichen Schreibens(2)“, in dem man lesen kann: „Ich werde nicht zwischen erotischen, obszönen und pornografischen Inhalten unterscheiden.“ Warum sollte der Autor Werner Fuld das auch tun? Pornografie ist ein ganz gewöhnlicher Teil der Literatur, der Malerei, der Bildhauerei, der Fotografie und sicher auch des Films. Und nicht mehr und nicht weniger wert als das über 600 und mehr Seiten gehende Romantik-Gesülze sattsam bekannter Autorinnen. Freilich ist Pornografie oft kaum mehr als die recht simple, märchenhafte Darstellung sexueller Handlugen. Doch wenn wir jeden Kitsch, jeden Groschenroman, jede Herz-und Schmerz-Geschichte gegenrechnen, dann stehen für jeden pornografischen Roman hundert „anständige“, seichte, luftleere Märchen beim Buchhändler.

(1) Blank, Hanne „Straight – The Surprisingly Short History of Heterosexuality“, Massachusetts, 2013.
(2) Fuld, Werner: Eine Geschichte des sinnlichen Schreibens“. Berlin 2014.

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