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Das angebliche Glück in der Ähnlichkeit

Gleich und gleich gesellt sich gerne

Früher habe ich immer gelesen, wie müssten als Paare möglichst „gleich“ sein. Gleiche Interessen haben, zur gleichen Gesellschaftsschicht gehören, eine in etwa gleiche Ausbildung haben und was dergleichen mehr ist. Wer eine Partneragentur betrieb, war besonders versessen daraus, uns zu sagen, wie wichtig es doch sei, „Gleich und Gleich“ zu verbinden. Man betet uns dies vor wie ein Mantra: „Gleich und Gleich“ – das ist natürlich, selbstverständlich und vor allem psychologisch sinnvoll.

Diese Ansicht enthielt zahllose Denkfehler, die den angeblichen „Vordenkern“ durchaus bekannt waren – es machte sich aber schlecht, den „Schönschreibern“ der Branche diese Zweifel mitzuteilen. Weil dies so war, behauptete man einige Jahre, dies alles sei „wissenschaftlich“ erwiesen. Nun, und selbst, wenn dies nicht zuträfe – sagte es uns nicht unser Verstand? Oder die Großmutter?

Gleich und Gleich – keine ernsthafte wissenschaftliche Frage

Machen wir uns doch nichts vor: „Gleich und Gleich“ sagt gar nichts aus, solange wie nicht sagen, was denn da „gleich“ sein soll, kann oder muss. Übrigens ist die Diskussion über „Gleich und Gleich“ und „Unterschiedlich“ wissenschaftlich gar nicht relevant. Der ernsthafte Wissenschaftler fragt nicht, ob der eine oder andere Spruch aus dem Volksmund zutrifft, sondern er fragt: „wie, wann, was welche“ – mit anderen Worten – er erforscht die Grundlagen.

Jargon der Ähnlichkeiten

Nun hat sich, in Abwandlung zu Adorno, der „Jargon der Ähnlichkeiten“ eingeschlichen. Seither müssen wir alle „ähnlich“ sein, wenn wir glückliche Paare werden wollen. Die Agentur ElitePartner sprach gerade von drei Säulen der glücklichen Beziehung: Sex, Gespräche und Ähnlichkeiten, die allesamt mit dem Attribut „glücklich“ belegt wurden.

Selbstverständlich spielen „Ähnlichkeiten“ bei der Partnersuche eine Rolle, nur ist es so: Wer nicht online sucht, hat kaum eine Möglichkeit, in ein völlig fremdes Milieu einzutauchen, es sei denn, er würde es provozieren.

Wer aber online sucht, kann aber jederzeit in einer ihm völlig fremden Welt landen, denn Partnersuche im Internet gleich einem Schmelztiegel der Eigenschaften. Welche Ähnlichkeiten machen denn nun glücklich? Wir wissen es nicht. Wir wissen aber dies: Paare, die sich als „glücklich“ bezeichnen, haben viele Ähnlichkeiten aneinander entdeckt.

Sehen Sie, man kann behaupten:

68 Prozent der sehr Glücklichen“, sagten in einer Umfrage, sie hätten ähnliche Charakterzüge

Fragen wir mal anders?

Wie viel Prozent derjenigen, die von sich behaupteten, schon immer ähnliche Charakterzüge gehabt zu haben wurden eigentlich glücklich?

Oder:

Welche ähnlichen Charakterzüge, die sie schon immer hatten, haben zu Ihrem Glück beigetragen?

Ich bin mir ganz sicher, dass vor allem die letzte Frage die meisten Paare überfordern würde. Da ist es natürlich einfacher, zu sagen, dass besonders glückliche Paare „ähnliche Eigenschaften“ hätten, nicht wahr?

Übrigens war da ja wohl noch ein rundes Drittel der „sehr glücklich Liierten“, die sich einen Teufel um die „ähnlichen Charaktereigenschaften“ scherten. Ein Drittel ist ein recht großer Anteil, der im Grund wesentlich interessanter ist als der „Mainstream“ der zwei Drittel.

Nehmen wir einmal an, Sie (ja: SIE) lernen heute als Partnersuchende(r) einen Menschen kennen, der Ihnen ein bisschen ähnlich ist. Sie werden recht bald erkennen, dass sie die Ähnlichkeiten verklären und romantisieren, die Unterschiede aber ignorieren. Fall Sie mit ihm glücklich werden, dann werden Sie Ihre Gemeinsamkeiten immer mehr in den Vordergrund schieben, während Sie die Unterschiede zurückdrängen werden. Da Glück auch von Toleranz abhängt, werden sie die kleinen Probleme, die daraus entstehen, mit einem Lächeln abtun – jedenfalls zumeist. Wenn dann nun ein Volksbefrager zu Ihnen kommen würde, und sie befragen, was wären Sie dann? Ein überaus glückliches Paar, das in so vielen Dingen ähnlich ist.

Die Meinungen der Psychologie aus der Sicht eine Partneragentur

Die gegenteilige Meinung wird von der Psychologie vertreten. Sie soll hier in Auszügen nach einer Verlautbarung von ElitePartner zitiert werden:

Die in der Paarforschung zurzeit gängige Ähnlichkeitshypothese zur Erklärung von partnerschaftlicher Zufriedenheit und Passung wird in der ElitePartner-Studie bestätigt“, sagt Lisa Fischbach, wissenschaftliche Leiterin.

Und

Wie Prof. Hans Werner Bierhoff von der Ruhr-Universität Bochum konstatiert: „Je ähnlicher sich Partner sind, desto seltener trennen sie sich.“

Man könnte von beiden Behauptungen sagen, sie seien plakativ. Logik und Psychologie passen einfach schlecht zueinander – sie sind einander zu offenbar zu „unähnlich“.

Anmerkungen:

Umfrage-Ergebnisse und Meinungen, wei von von ElitePartner verbreitet, teilweise zitiert aus Magazin.
Studie ElitePartner (pdf)
Weiterführend auch: Der Artikel in der WELT

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