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Partnerwahl: Verdummung durch Verherrlichung und Romantisierung der Vergangenheit

Die Welt der Behauptungen über die Partnersuche ist schrecklich, dümmlich und über alle Maßen arrogant. Wer sie untersucht, kann leicht feststellen: Sie beruhen auf einer Welt, die so weit reicht, wie die eigene Erfahrung und die Erzählungen der Eltern und Großeltern, und das ist noch geschmeichelt ausgedrückt.

Es ist empörend, dass unseren Intellektuellen und Kulturpäpsten nicht weiter denken können – sonst würden sie kaum diesen ständigen Unfug schreiben, der ihrem Ideal folgt: die zufällige Partnerwahl aufgrund schicksalshafter Umstände in einem romantisch geprägten Umfeld. Wie kann man eigentlich so dumm, verblendet oder heuchlerisch sein?

Die Nazis, die Not, das Elend – und die verachtete Nachkriegs-Jugend

Mit der Realität hat dies nicht das Geringste zu tun. Da waren die Weltkriege, da war Hitlers Unrechtsregime, das große Teil der zuvor gewachsenen Kultur vernichtete, das war die Adenauerregierung mit ihrer katholisch definieren Prägung. Das war Not, Elend, Willkür und Trennung. Nur die Liebe, die persönlich und unverbrüchliche Liebe war bisweilen romantisch. Nach dem Zweiten Weltkrieg war sie gepaart mit dem Trotz, es den „alten Säcken“ schon zu zeigen: „Wir machen es anders, wir machen es besser“. Gewiss, man hatte die Kriegsgeneration leiden sehen, aber man hasste sie dennoch. Warum sollte man sie auch lieben? Sie gönnte der Jugend ja nichts. Am liebsten hätten sie gesehen, wir wären alle wieder in die neu aufkommenden (und dankenswerterweise erfolglosen) West-Jugendbewegungen gegangen wären. Nein, es ging nicht: Die deutsche Jugend (West) wollte sich nicht von Parteien, Kirchen und Verbänden vereinnahmen lassen: Schnauze voll, basta.

Die Kriege,die Inflation und die Romantik-Luftikusse

Das ist die Geschichte, so weit sie mir persönlich bekannt ist. Greife ich weiter zurück, so sind da die Erzählungen der in der Tat romantisch verklärten Begegnungen der Eltern und Großeltern – doch bei beiden wirkte der Krieg mit. Es war ein Kampf gegen die schrecklichen Fakten des Daseins, der psychischen und körperlichen Kriegsverletzungen – und war da nicht die große, demütigende Inflation? Da kauften sich reiche Ausländer mit Devisen in Massen für wenig Geld junge, einheimische Frauen, die keine notorischen Huren waren – sehr romantisch, nicht wahr? Und noch zuvor, noch viel weiter zuvor, war da nicht das Jungfrauenproblem, die Töchterempörung? Davon hören wir kein Wort bei den Romantik-Luftikussen.

Ja, sicher, zwischendurch hatten sich Tante und Onkel auch mal beim Tanz kennengelernt – die aus Proletariat und Kleinbürgertum entstandene neue Form des freien und relativ unbeschwerten Kennenlernens. Tanzen gehen und die Welt vergessen – das war das Motto, und das war sicher auch der Beginn mancher Romanze. Noch in den 1960ern war dies der bevorzugte Ort der (damals noch) beziehungswütigen Jugend, um sich zu paaren und damit aus den Klauen des Elternhauses zu entfliehen.

Zwischen CVJM und Kellerpartys – die 1950er und 1960er Jahre

Als Alternative zu Jugendhaus und CVJM gab es wilde und verwegene Riverboat-Partys (wo es denn einen Fluss gab), geheime Partys in Fabrikanten und Händlervillen (meist, wenn die Eltern auf Reisen waren), schwüle Jazzkeller mit Frauen, die etwas lockerer mit der Liebe umgingen, und schließlich die berühmten Kellerpartys bei Kerzenlicht und billigem Rotwein, bei denen man nicht lange fackelte, bis es zum „Streicheln unter der Kleidung“ kam. Das mag romantisch gewesen sein, aber es war auch Ausdruck einer (damals noch) stillen politisch-kulturellen Revolution gegen diejenigen, die schon viel zu lange den Daumen auf der Jugend hielten.

Ja, und das Kennenlernen per Zeitungsanzeige, die aus dem Boden schießenden (und nicht immer sehr seriösen) Heiratsinstitute? Die gab es schon zu Zeiten, als Deutschland noch im Adenauer-Tiefschlaf lag. Sie fielen nicht so sehr auf, weil „ich und du“ dort ja niemals dabei gewesen wären – es sei denn, wir hätten es getan.

Die Realität will niemand wissen – Romantik verkauft sich besser

Wie viele Menschen wohl über die Romantik schreiben, die sich in Wahrheit über Zeitungsanzeigen kennengelernt haben? Das bleibt sich im Dunkel der Geschichte. Deutlich sichtbar hingegen ist die Verklärung – ob Gartenlaube oder Privatfernsehen, Schlager oder ARD und ZDF. Das Volk will Illusionen, keine harten Fakten, denn zumeist sind sie der Wahrheit viel zu nahe, als dass wir sie anerkennen würden.

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   (16. Februar 2012)