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Kizmeet – schon wieder ein Opfer der Netzwerk-Hype?

Die deutschen Online-Singlebörsen sehen ihre Zukunft nach einer Prognose darin, ihnen nun eine „soziale Heimat“ zu vermitteln – und es fragt sich, ob diese Rechnung aufgeht. Sehen wir einmal auf ein Beispiel, das gerade gescheitert ist – Kizmeet. Bevor mal allerdings überhaupt „Kizmeet“ sagt und den kürzlich bekannt gewordenen Niedergang des Unternehmens beweint, sollte man vielleicht etwas klarstellen:

Soziale Netzwerke existieren ethisch nur in der Wirklichkeit. Was im Internet also „Soziale Netzwerke“ bezeichnet wird, sind Hilfskonstruktionen, die das Wort „sozial“ ebenso wenig verdienen wie das Wort „Netzwerk“.Es sind vielmehr zumeist Wirtschaftsunternehmen, die unter dem falschen Etikett des „sozialen“ an der Oberfläche Kommunikation bieten, während der eigentliche Kern des Geschäfts die Werbung für Waren und Dienstleistungen ist. Damit gar nicht erst Zweifel aufkommen: Ich bin nicht generell gegen Werbefinanzierung und auch nicht gegen werbefinanzierte Netzwerke, sonder dagegen, dass sich Wirtschaftsunternehmen das Etikett „sozial“ geben, wenn in Wahrheit durchgängig eine kommerzielle Absicht verfolgt wird.

Soweit, so gut oder schlecht. Doch nun kamen erst einmal die schlauen Burschen, die meinten, man könne aus den wenigen Daten, die sich aus Netzwerken generieren lassen, ganze Dating-Applikationen aufbauen. Sie haben – bis auf wenige Ausnahmen – ihre Rechnung ohne ihre potenziellen Kunden gemacht, die eine dritte Pressung des Daten-Öls als ungenießbar ablehnten. Eine Dating-Börse ist nur so gut wie ihr Mitgliederstamm – diese alte Weisheit ist offenbar nicht bis in die Hirne der Gründer diverser Applikationen durchgedrungen.

Kizmeet war – jedenfalls nach offizieller PR-Version – ein bisschen tiefer in das „Soziale“ der „sozialen Vernetzung“ eingedrungen. Man hatte hochfliegende Pläne – beispielsweise, den Partnersuchenden starke Begleiter (Wingmen) zur Seite zu stellen oder auch Menschen einbinden, die Freude an der Partnervermittlung hatten („Matchmakers“). Das Ziel sollte dann sein, die Partnersuche zu einer „sozialen und weniger einsamen Angelegenheit“ zu machen.

Das Beispiel zeigt überdeutlich, wie weit das Wort „sozial“ hier missbraucht wird – selbst wenn man unterstellt, dass die englische Bedeutung von „Sozial“ von der deutschen Bedeutung abweicht, was mir wohl bewusst ist. Aber man kann „online“ nun einmal keine verlässliche, künstlich zusammengestellte „Gemeinschaft“ erstellen, deren Verbindlichkeit auch nur in etwa dem sozialen Verbund in der Realität entspricht. Mit anderen Worten: Das Prinzip musste scheitern, weil die notwendigen Kriterien für eine Beratung (tatsächliche Kenntnisse der emotionalen und sozialen Verfassung, Kommunikation von Angesicht zu Angesicht) gar nicht vorhanden sein konnten.

Nein, Kizmeet, aus Meet (Treffen) und Kismet (Glück) zusammengesetzt, war von vornherein zum Misserfolg verdammt, weil man das „soziale“ in „Sozialen Netzwerken“ für bare Münze nahm.

Angesichts eines möglichen Trends zur „sozialen Heimat Singlebörse“ sollte man darüber nachdenken, den Singles ein Zuhause zu bieten, aus dem sie möglichst bald – und vielleicht eher mithilfe von Fachleuten statt mithilfe von Freunden – wieder ausziehen können. Das Ziel der Partnersuche ist, einen Partner zu finden und nicht auf Dauer ein virtuelles Single-Zuhause zu suchen.

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