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Fernsehwerbung für Online-Dating – ein heißes Eisen

Fernsehwerbung für Online-Dating ist ein heißes Eisen, und vielleicht ist es sogar zu heiß – denn wenn der Bruttowerbedruck einmal bei den Beträgen angekommen ist, die gegenwärtig genannt werden, dann muss man sich fragen: Können diese Kosten eigentlich noch aus dem Gewinn finanziert werden? Und wenn nicht aus dem Gewinn, woraus denn dann?

Derartige Fragen werden von den Betreibern elegant abgeschmettert, gleich, wer sie wann und wie stellt. Doch dass der Wettbewerb in Deutschland ruinös ist, ist gar keine Frage, und der Grund liegt in der Fernsehwerbung: Vor und nach jeder Sendung des österreichischen Programms des Senders RTL beispielsweise kommen die unvermeidlichen, entnervenden Werbespots von zwei deutschen Betreibern, von denen einer nur noch sagt, er wäre halt „die richtige Adresse“ – es mag ja sein, dass es nützt.

Was ist passiert? Und vor allem: was wird passieren? Wurde der letzte Sargnagel zur Beerdigung des Online-Datings schon eingeschlagen, wie die Kolumnistin Julie Ruvolo am vergangenen Montag schrieb?

Wenn die Sache so einfach wäre, dann wäre sie einfach. Frau Ruvolo (die Liebepur berichtete gestern über einen anderen Aspekt des Artikels) argumentiert, dass der Markt für ein Internet-Produkt organisch wachsen müsse – dies sei aber bei den Online-Dating-Agenturen nicht der Fall. Doch welcher Markt wächst „organisch“, wenn sein Potenzial gesättigt ist? Für Mobiltelefone existierte zunächst angeblich kaum ein Markt, dann wurde er riesig, und heute ist er wieder schwierig, weil jeder eines hat – folgerichtig macht man Fernsehwerbung. Beim Online-Dating ist es ähnlich: Zu Anfang war man sich unsicher, ob es überhaupt einen Markt gab, dann boomte der Markt fast wie von selbst und heute ist Fernsehwerbung die angebliche Rettung, um Zuwächse zu sichern.

Es gibt alternative Vermarktungskonzepte, sicherlich. Möglicherweise ist FACEBOOK eines, aber da fällt mir sofort auf, dass MySpace auch mal eines war, und dass es einige Hybrid-Anwendungen gibt (Dating und soziale Netzwerke im gemischten Doppel), die nicht im Rampenlicht stehen und offenbar Mühe haben, sich im Wettbewerb zu halten. Irgendwie ist die Sache pikant: Auf angeblich „sozialen“ Netzwerken werden Kontakte für angeblich „asoziale“ (O-Ton Frau Ruvolo) Kontakte angeboten.

Ganz anderes (und mithin das einzige, dass Frau Ruvolo nennen konnte) ist Grindr, eine Applikation, die auf dem Iphone beruht. Sie kommt den Bedürfnissen mancher schwuler Männer entgegen, Sofortkontakte zu knüpfen und erfüllt damit offenbar ein Bedürfnis urbaner männlicher Homosexueller. Ähnliche Applikation gibt es inzwischen für jugendliche Heteros, aber sie funktionieren eben auch nur in Ballungsgebieten, und auch nur dann, wenn man dem Spontankontakt aufgeschlossen gegenübersteht – das ist nicht bei allen Partnersuchenden so.

Ich bin mir nicht sicher, ob es bereits Applikationen dafür gibt, wo die nächste Hure zu finden ist oder die nächste öffentliche Toilette. Besonders die letztere Applikation wäre ein Knüller und nicht einmal degoutant – aber lassen wir die Polemik – was nützt uns dies alles?

Wenn Sie keine Anteile an einer der Firmen besitzen, die so etwas herstellen und kein geiler Bock sind, nützen Ihnen solche Applikationen in der Regel gar nichts. Der geeignete Partner könnte freilich „um die Ecke im Café sitzen“ – aber dann müsste Sie jetzt und hier Zeit haben und auf ihn eingestellt sein. Für den „normalsterblichen“ Hetero- oder Homosexuellen mit hartem Job dürfte dies kaum jemals der Fall sein, und Damen wollen sich in der Regel erst einmal die Näschen pudern, bevor sie einem Kandidaten für die Partnerschaft begegnen.

Fragt sich also, was der Mann über 35 tut, der zwar erfolgreich, aber nicht öffentlich verfügbar und kein Partylöwe ist. Dann hängt er sich bestimmt kein Schild um, auf dem zu lesen ist „Ich bin zu haben“ – und ebenso wartet die Managerin nicht im kurzen Röckchen mit Strapsen an der Straßenecke und wartet auf die Stunde und den Mann, der die gleiche Telefon-Applikation sein Eigen nennt.

Die simplen Vereinfacher dieser Welt sind zu einer wahren Pest des Informationszeitalters geworden – doch trotz alledem ergibt sich die Frage, ob man auf Dauer „Werbung machen kann, dass es knallt“, denn die Anzahl der seriösen Partnersuchenden wächst nun einmal kaum noch – ob mit Werbung auf RTL oder ohne.

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