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Wissenschaft und Partnerwahl – Affentänzchen um Dschungelgesetze

Wissenschaftler haben die eigenartige Tendenz, nur in ihrem eigenen Fachgebiet zu forschen – und auf diese Weise „verdummen“ sie zu Fachidioten, oder, wirtschaftlich gesprochen, bekommen sie Schauklappen, die zur „Betriebsblindheit“ führen. Nur so kann es sein, dass Menschheitsforscher, namentlich Psychologen, Soziologen und leider auch Anthropologen, über wenig „Common Sense“ verfügen.

So muss denn der Neokortex herhalten, wenn untersucht werden soll, warum es uns heute so schwer fällt, einen Partner zu suchen: Bei dessen Entwicklung, so stand es in einem wissenschaftlichen Artikel, lebten wir in Gruppen von ungefähr 150 Mitgliedern – dabei kamen für die Fortpflanzung nach derselben Quelle etwa 35 Individuen in Betracht.

Die Forscher (aus unterschiedlichen Fakultäten, unter anderem waren auch Ökonomen darunter) haben nun wissen wollen, wie groß die optimale Anzahl nach Meinung von Partnersuchenden ist: Man wählte dazu eine Gruppe von nur 88 Mitmenschen im zarten Durchschnittsalter von 22 Jahren. Dabei verglich man die Erwartungen an eine „optimale Anzahl“ von Partnern mit der Anzahl, die tatsächlich als angenehm für eine Wahl empfunden wurde. Was dabei herauskam, war zu erwarten: Ob mit oder ohne Neokortex sind die Augen zumeist größer als der Teller, den man essen kann. Weniger volksnah ausgedrückt: Die Teilnehmer am Test erwarteten in der Regel, dass eine große Anzahl befriedigender wäre als eine kleine, während sie in der Praxis feststellten, dass eine geringe Anzahl für eine „humane Auswahl“ einfach befriedigender ist.

Was die Forscher einfach übersehen haben: Auswahl ist Auswahl, und dabei begrenzen sich die Möglichkeiten umso mehr, je näher man auf das Ziel zusteuert – das hätte ihnen jeder Verkäufer sagen können – aber sie hatten offenbar keinen fragen können – und wohl auch keinen Wissenschaftler, denn die Ergebnisse waren aus dem Bereich der Konsumentenforschung seit den 1970er Jahren bekannt. Später ist der Versuch oft als der „Marmeladentest“ bezeichnet worden. Technisch sieht die Sache ungefähr so aus: Wenn ein Kunde in ein Ladengeschäft kommt und einen Fernseher kaufen will, könnte man ihm theoretisch etwa 30 Geräte anbieten. Das würde ihn aber in seiner Entscheidung überfordern, und man versucht deshalb, durch ein kurzes Vorgespräch herauszufinden, welche drei bis fünf Geräte für den Kunden infrage kommen. Am Ende wird die Wahl dann zumeist zur Alternativwahl zwischen zwei Geräten.

Die Wissenschaftler sehen das anders: Das Ergebnis sei keinesfalls vorhersehbar gewesen, meinten die Forscher, denn in einem „naturalistischen“ Zusammenhang der Partnerwahl hatten sie ganz andere Gesetze vermutet – nach dem zitierten Artikel offenbar die „Gesetze des Dschungels“ – aus meiner Sicht handelt es sich dabei eher um wissenschaftliche Affentänzchen.

Offenbar übersahen die Forscher von vornherein einige wichtige Tatsachen: Ob im Dschungel oder anderwärts, fällt die Entscheidung am Ende immer zwischen wenigen Kokosnüssen, Orangen oder Menschen, und auch hier zeichnet sich eine Vorauswahl ab. Wer länger sucht und nicht zugreift, der wird am Ende weder Orange noch Kokosnuss noch Partner mit nach Hause bringen – warum die Forscher gerade bei Partner eine völlig andere Auswahl angenommen hätten, mag ihr persönliches Rätsel bleiben – es ist alles andere als logisch.

Völlig unlogisch ist auch der Zusammenhang mit der ewig beschworenen “Evolution“. Nach der zugrunde liegenden Theorie hatten die Urmenschen kaum eine große Auswahl an Partner – was stimmen mag. Aber die Menschen der Bibel (man kann dies dort sehr gut nachlesen) hatten sie ebenso wenig wie die Landmädchen oder die feinen Bürgermädchen oder die „feinen“ Bürgertöchter des 19. Jahrhunderts. Insofern ist es überhaupt keine durchgängigen „evolutionären“ Kriterien für die heutige Partnerwahl – sie ist ein geschichtliches Novum, und sie existiert völlig unabhängig vom Medium Internet.

Eine ganz andere Frage ergibt sich in diesem Zusammenhang: Warum glauben Menschen heute, dass ihre Möglichkeiten unendlich wären? Denn ganz offenbar handelt es sich dabei um eine Tatsache: Die Menschen glauben heutzutage, dass hinter den Sieben Bergen bei den sieben Zwergen noch eine Maid wohnt, die tausendmal schöner, klüger und sozialverträglicher ist als die Nachbarstochter. Soweit könnte es am Internet liegen – aber wieso treffen sich Großstadtmänner mit 50 verschiedenen Großstadtfrauen aus der eigenen Stadt, bevor sie resigniert feststellen, dass sie besser mit ihrem dritten bis fünften Blind Date vor den Traualtar getreten wären? Offenbar handelt es sich um einen kulturellen Defekt, nicht um einen evolutionären.

Es wäre gut, wenn Forscher für die Menschen forschen würde – das tun sie leider nicht. Es ist ein Jammer: Da bilden wir Menschen aus, die für uns forschen sollen – und dann forschen und forschen und forschen sie, um den großen Müllhaufen der Forschung noch zu vermehren. Auf Lösungsansätze für unsere Probleme warten wir vergeblich.

Anmerkung: Der Artikel ist eigentlich schon angejahrt (Juni 2008) – wir fanden aber einen Hinweis bei den Freunden vom Singlebörsen-Vergleich und bringen deshalb die Geschichte, die wir damals versäumt haben, jetzt. Zu diesem Artikel erscheinen in Kürze zwei Folgen:

Der Mythos von der schrecklichen Qual der Partnerwahl

Evolution und Internet – unvereinbar bei der Partnerwahl?

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