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Die Woche – so viel Unsinn über die Liebe gab’s noch nie

Diese Woche war keine Woche wie jede andere. Gerade noch Alexander Skrjabins Klavierkonzert gehört, dann noch mal Nachrichten eingeschaltet. Und da war er, der Kulturschock. Am übernächsten Tag kam er noch mal, diesmal von unerwarteter Seite: eine honorige Gesellschaft, eine seltsame Rede, doch kein Wort der Trauer. Stattdessen unterschwellig vorgetragene Politikverdrossenheit. Nun ja, ich wohne jetzt in Thüringen – ich muss mich wohl daran gewöhnen, in einem anderen Deutschland zu leben.

Es war also keine normale Woche – auch aus vielen anderen Gründen. Immerhin ist mein Büro wieder nutzbar. Und irgendwann wird auch das Papier-Archiv wieder eingerichtet werden – doch noch sind die Bücher in Kisten verpackt.

Frauen in schierer Verzweiflung

Wer derzeit etwas Vernünftiges über die Liebe lesen oder schreiben will, muss sich durch ein Gestrüpp lächerlicher, lästiger und werbe-schwangerer Meldungen kämpfen. Eine davon war zweifellos die Aussage, dass Frauen derzeit „aus lauter Verzweiflung“ selbst das Ruder der Partnersuche in die Hand nehmen. Aus „lauter Verzweiflung“? Wie kann man sich eigentlich solch einen Unsinn ausdenken? Ich halte mal dagegen: Es ist völlig normal, dass Frauen suchen, und es ist ein deutliches Zeichen einer liberalen, demokratischen und letztendlich emanzipierten Haltung. Ich denke eher, dass die Frauen „verzweifelt“ sind, die unbedingt gesucht werden wollen.

Journalisten wie Akademiker: Wissen ist Macht – nichts wissen macht nichts

Überhaupt muss ich sagen: Es hapert bei unseren Journalistinnen, möglicherweise auch bei gestandenen Akademikerinnen, ein wenig bei der Aufarbeitung der weiblichen Vergangenheit. Die Formel „früher war in der Liebe alles romantisch, jetzt ist alles sachbezogen“ ist so falsch und dümmlich, dass sich eigentliche jede und jeder, der sie benutzt, als ungebildet entlarvt. Diese Woche fand ich einen Artikel, der in diese Kerbe haut, wobei allerdings das Wort „unromantisch“ durch „unerotisch“ ersetzt wurde – nur ändert die „Wortwechslung“ nichts daran, dass alle diese Aussagen höchst fragwürdig sind.

Sex als Handelsware für „ehrbare“ Frauen

Der krasse Gegensatz zu „früher war alles besser (erotischer, romantischer)“ ist der Ansatz: „Wie kann ich Sex am besten einsetzten, um das meiste dabei herauszuholen.“ Auch dies ist ein Thema der Frauengazetten, die dadurch Sex zur Handelsware für „Solide“ herabsetzen. Wenn sich eine Frau nämlich fragt, wann der beste Zeitpunkt für den ersten Sex ist, dann benutzt sie Sex als Handelsware, oder korrekter: als Dienstleistung, die sie im Rahmen eines Handels kalkulierend einsetzt.

App-Beißen – Apps in der Kritik

Die sogenannten „Apps“ kommen immer wieder in die Presse. Eine soll angeblich das Leben von Frauen revolutionieren. Irgendein PR-Gag – kann man wirklich vergessen. Interessanter ist da schon, dass die Welt-lieblings-App für das Dating, die mit dem „T“ vorne dran, sich als Datenschleuder erweist. Übrigens – sehr abseits von meinen Artikeln – beschweren sich immer wieder Frauen darüber, dass Männer bei App-Bekanntschaften „alle Benimmregeln dieser Welt außer Kraft setzten.“ Ich will da gerne kontern: „Jeder Markt hat seine Regeln – und ein Markt der Oberflächlichkeiten ist eben oberflächlich.“ Man erwartet ja auch nicht, auf dem Kajenmarkt einen echten Picasso kaufen zu können. Oh ja – und nun gibt es eine App, bei der ausschließlich Frauen die Dialoge (aka „Chat“) eröffnen dürfen. Ich werde so nach und nach App-bissig, denn je mehr Zeit die jungen Leute mit Apps verschwenden, umso weniger Zeit haben sie dafür, zu reifen Menschen heranzuwachsen und sich ihrer Verantwortung als Bürger und Demokraten zu stellen. Oder meinetwegen ihr Glück zu finden.

Dating-Apps sind gut für’s Geschäft – in der Gastronomie

Dazu noch eine Frage aus der Wunderkiste: Für wen sind eigentlich Dating-Apps gut? Die Antwort: „Für Cafés und Kneipen“. Ach ja? Dann sind sie ja wenigsten für einen Teil der Wirtschaft gut – dem Rest schaden sie eher.

Sexschnorrer, euch geht’s an den Kragen -mit Lügendetektoren

Oh, oh – alle Menschen lügen so schrecklich – vor allem Männer. Und wer beweisen will, dass er nicht lügt, sollte sich besser einem Lügendetektortest unterziehen, bevor er er auf Partnersuche geht. Ey, geht’s noch? Wenn ich ein „richtiger Satiriker“ wäre, würde ich vorschlagen: Lügendetektor reicht nicht – eine hochnotpeinliche Befragung würde noch mehr „Liebesbetrüger und Sexschnorrer“ entlarven. Ich werde wohl das Wort „Sexschnorrer“ lernen müssen – bisher brachte Google es allerdings auf magere 411 Ergebnisse.

Satire, Humor, oder einfach: Totales Fettnäpfchen?

Dating und Humor? Leider finde ich immer mehr Artikel, die unfreiwilligen Humor auslösen. Was wäre zum Beispiel, wenn eine Dame an die Redaktion schreiben würde: „Wir bringe ich meinen Mann (oder „einen Mann“) dazu, sich mit Beziehungs-Ratgebern auseinanderzusetzen?

Fragt sich (neudeutsch formuliert): «Wie ticken eigentlich Frauen, die Männern Beziehungsratgeber empfehlen?» Oder altmodisch formuliert: «Aus welcher Motivation heraus wollen Frauen ihren Männern eigentlich „Beziehungsratgeber“ empfehlen?» Angeblich, weil „Frauen“ denken, „das sollten Männer mal lesen“.

Ganz schlecht – denn dann denken sie falsch. Männer werden nicht durch Bücher verändert, schon gar nicht durch „How-To-Literatur“, also „Beziehungs-Bastelstunden für Naive“. Und jede Art von Veränderungen beginnt (und endet) bei sich selbst – nicht beim Partner. Das mag ja hart sein für manche Frauen (übrigens auch für Männer) – aber an Tatsachen kann man sich nicht vorbeimogeln.

Das war’s für heute – und für eine Woche, in der ich wenig Zeit hatte, Ihnen etwas Sinnreiches für ihr eigene Partnersuche zu schreiben. Ich gelobe Besserung – aber erst muss ich den Bücherschrank wieder einräumen.

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