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Neigungsheirat

neigungs-ehe durch correspondenz
Neigungs-Heirat nach vorhergehendem zwanglosen Briefwechsel. Viele hundert Damen und Herren aller Stände und aller Confessionen sind zur Zeit in lebhafter Correspondenz.
(Anzeige erschienen vor etwa 100 Jahren).
Heute ist nur noch schwer verständlich, was eine „Neigungs-Heirat“ ist: Eine von den Eheleuten (meist in fortgeschrittenem Alter) selbst initiierte Heirat, also keine, die von den Eltern arrangiert wurde, wie es im Bürgertum ansonsten allgemein üblich war. In der Regel war bei Neigungsehen deswegen auch keine Mitgift zu erwarten, sodass eine Neigungsehe immer ein wirtschaftliches Abenteuer darstellte.
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Eine Braut per Mail Order - akzeptierte Tradition?
Während es den Europäer generell befremdet, „eine Braut per Versandhandel zu bestellen“, ist es für US-Amerikaner nicht so ungewöhnlich. Schließlich wurde die Bevölkerung der USA auf der Basis von Mail-Order-Bräuten gegründet, sagt eine Kolumnistin, die offenbar gerade an einem Buch über russische Mail-Order-Bräute arbeitet.
Angeblich sollen demnach 1620 die ersten neunzig weißhäutigen Bräute in Jamestown angeliefert worden sein – gegen Tabakpflanzen. Für ein paar Tabakpflanzen bekommt man die Bräute heute nicht mehr – und überhaupt weist man entrüstet von sich, „Bräute per Mailorder zu verkaufen“, nein niemals. Original-Ton aus dem Hause der größten Agentur für russische Bräute: „Ich betrachte meine Firma als ein Kommunikations- und Übersetzungsunternehmen“.
Lesen Sie bitte mehr in der Im Link angegebenen Webseite in englischer Sprache.
Webseite der Autorin
Information via Online Personal Watch.
Angeblich sollen demnach 1620 die ersten neunzig weißhäutigen Bräute in Jamestown angeliefert worden sein – gegen Tabakpflanzen. Für ein paar Tabakpflanzen bekommt man die Bräute heute nicht mehr – und überhaupt weist man entrüstet von sich, „Bräute per Mailorder zu verkaufen“, nein niemals. Original-Ton aus dem Hause der größten Agentur für russische Bräute: „Ich betrachte meine Firma als ein Kommunikations- und Übersetzungsunternehmen“.
Lesen Sie bitte mehr in der Im Link angegebenen Webseite in englischer Sprache.
Webseite der Autorin
Information via Online Personal Watch.
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Ăśbertreibungen und Flunkereien: Dating 1966 und Dating 2011

das waren noch zeiten - ein all-in-one computer der 80er Jahre (werksfoto)
Dating per Computer vor mehr als 40 Jahren? Das gab es bereits. Im Jahr 1966 bereits eröffnete in Cambridge (Massachusetts, USA) das erste computerisierte Eheanbahnungsinstitut gegründet, „Operation Match“. Auch im Vereinigten Königreich wird das „Matchmaking“ per Computer bald zum Thema. Im Jahr 1968 erscheint darüber ein Wochenschaubericht von Pathé.
Werbung und Wahrheit wichen auch damals schon reichlich voneinander ab, und damals wie heute nahm man den Mund ziemlich voll, wie aus einer Anzeige im "Life Magazin" hervorgeht. (Ausriss links, Quelle am Ende des Artikels). Die Anzeige erschien in der 1969er Ausgabe des Magazins – sie wurde von einem Institut namens „Compatibilty“ aufgegeben, und sie hätte auch 2011 noch recht ähnlich erscheinen können – an den vollmundigen Übertreibungen hat sich kaum etwas verändert.Nur, weil zwei Leute gerne Ski fahren, Tanzen gerne gehen oder Museumsbesuche lieben, heißt das noch nicht, dass sie zusammenpassen. Sie müssen vielmehr berücksichtigen, wie sie zu den wichtigen Dingen des Lebens stehen, also wie wir denken, fühlen und handeln. Wir glauben, dass kulturelle Werte, die Bedeutung, die wir der Religion beimessen, intellektuelle Stärke, emotionale Stabilität, sexuelle Einstellungen, soziale Fähigkeiten und persönliche Verhaltensweisen das sind, was in einer Beziehung wirklich zählt und das voranging in ein Testprogramm eingehen muss. Wir fassen bei uns das Freizeitverhalten und die besonderen Interessen der Partner zusammen und versuchen damit, ein ausführliches Profil von unseren Kunden zu erstellen, das auf dem Material basiert, das wir den Fragebögen entnehmen.
Die Übertreibungen bei der „Wissenschaftlichkeit“ wurde übrigens bereits kurz nach dem erste Auftreten der Computerpartnervermittler gerügt, wie aus dem Ausriss recht hervorgeht., den ich dem Buch "Die Traum-Maschine" entnahm (Quelle siehe unten).Das war die eine Seite der Medaille, und soweit waren die Ausrichter überwiegend Eheanbahnungsinstitute. Übrigens gab es auch in Deutschland bald ein Institut, das umfangreich mit seiner Computertechnologie warb – doch bevor es losgehen konnte, kam erst einmal ein Vertreter ins Haus, dem seine Provision zumeist wichtiger war als das Glück der Ehesuchenden.
Bleiben wir noch ein wenig bei Deutschland? In den Anzeigenspalten deutscher Zeitschriften tauchten alsbald ähnliche Anzeigen von fragwürdigen Unternehmen auf, die schnell das große Geld machen wollten. Für 20 bis 50 DEM (wenn ich nicht irre) konnte man damals an Computer-Partnerspielen teilnehmen: Fragebogen ausfüllen, Geld überweisen und warten. Einkommen und Vermögen gehörten zu den wichtigsten Fragen, und natürlich, ob man sich eine Hausfrau oder eine berufstätige Frau wünschte. Dann noch eine Briefmarke aufkleben (E-Mail gab es noch nicht) und warten … ja, und was dann kam, war eine Telefonliste mit 10 Vorschlägen „passender“ Damen.
Die Herren wunderten sich, dass sie niemals angerufen wurden, und alsbald erfuhr ich den Grund: An diesen Spielereien beteiligten sich fast ausschließlich Männer und nur ganz wenige Frauen, denn kaum eine Frau war bereit, ihre Telefonnummer für das Spiel zur Verfügung zu stellen. Wer es trotzdem tat, wurde alsbald von Telefonaten überschwemmt, sodass die Damen, wenn überhaupt, nur noch mürrisch ans Telefon gingen. Gewonnen hat dabei niemand, außer den Glücksrittern, die dabei reichlich Geld einsackten.
Immerhin waren sie noch nicht die Schlimmsten. Es gab Klubs und Adressenvermittler, bei denen man für wesentlich höhere Beträge wesentlich weniger bekam – und dann und wann sogar gar nichts oder „Friedhofsadressen“. Die meisten der Betrugsfälle wunden allerdings damals nicht angezeigt – man schämte sich einfach, „so etwas“ nötig zu haben.
Quellen:
Titelfoto: Werksfoto Cromemco
Video British Pathé
Life-Ausriss (Anzeige)
Zum Weiterlesen (englisch).
Via (in Teilen): Online Personal Watch
Ausriss rechts: Originaltext von Tamora Pierce, die damals einen Cromemco C10 Computer (gebaut ab September 1982) benutzte und als Jugendbuchautorin bekannt wurde. Der Artikel wurde zuerst 1984 von William Tenn veröffentlicht. Die deutsche Übersetzung stammt vom Dumont-Verlag. Der Titel des Buches war 1984: Die Traum-Maschine“.
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Die „gute alte Zeit“ war ein Hort der verlogenen Moral
Es ist zwar bekannt, wie der „Standard“ berichtet, aber darüber schreiben sollte man doch einmal: Die angebliche „gute alte Zeit“, war verruchter und moralisch verwerflicher als die heutige Zeit.
Gemeint ist die bürgerliche Doppel- und Scheinmoral des 19. Jahrhunderts – nicht nur in Wien, wo sicherlich eine Hochburg der Scheinheiligkeit existierte, sondern selbstverständlich auch in Deutschland, wie Ernst Fuchs (der „Sittenfuchs“) glaubhaft berichtet. Diese verlogene Moral stellte sich so dar:
(Zitat aus dem "Standard")
Man hat diese Zeit verherrlicht – selbst in der jungen Bundesrepublik gab es in den 1950er Jahren Heerschaaren von glühenden Befürworterinnen und Befürworten des Bürgertums nach dem Muster des 19. Jahrhunderts. Doch was war wirklich? Im 19. Jahrhundert erwarteten die „guten Bürger“ beispielsweise, dass ihnen ihr „Dienstmädchen“ „wie selbstverständlich … zu Willen sein musste“.
Haben wir das vergessen? Und haben wir auch vergessen, dass keine Bürgertochter heiraten konnte, wen sie wollte? Dass Ehemänner von den Vätern der Bürgertöchter sozusagen mit der Mitgift „gekauft“ werden mussten?
Ja – wir haben es vergessen. Ein Buch erinnert jetzt daran – möglicherweise etwas einseitig. Denn das Bürgertum jener Jahre versuchte, in der Ehe die Fassade der Wohlanständigkeit für Frauen hochzuhalten: Die Eskapaden der Töchter und die Seitensprünge der Frauen wurden zumeist erfolgreich verheimlicht – wären herausgekommen, dass die Ehefrau „zu viele Leute kennt“, hätte diese dem Ansehen des Ehemannes geschadet – dies wollte er aber in fast jedem Fall vermeiden und nahm so lieber die Früchte der Seitensprünge in seine Familie auf. Falls die Tochter „in schlechten Ruf gekommen“ wäre, hätte der Vater noch mehr Mitgift zahlen müssen, um sie endlich „an den Mann zu bringen“.
Gemeint ist die bürgerliche Doppel- und Scheinmoral des 19. Jahrhunderts – nicht nur in Wien, wo sicherlich eine Hochburg der Scheinheiligkeit existierte, sondern selbstverständlich auch in Deutschland, wie Ernst Fuchs (der „Sittenfuchs“) glaubhaft berichtet. Diese verlogene Moral stellte sich so dar:
Im Wien des 19. Jahrhunderts kam einerseits jedes zweite Kind unehelich zur Welt - gleichzeitig aber genügte der Anblick eines unbedeckten Frauenknöchels, um einen Skandal auszulösen.
(Zitat aus dem "Standard")
Man hat diese Zeit verherrlicht – selbst in der jungen Bundesrepublik gab es in den 1950er Jahren Heerschaaren von glühenden Befürworterinnen und Befürworten des Bürgertums nach dem Muster des 19. Jahrhunderts. Doch was war wirklich? Im 19. Jahrhundert erwarteten die „guten Bürger“ beispielsweise, dass ihnen ihr „Dienstmädchen“ „wie selbstverständlich … zu Willen sein musste“.
Haben wir das vergessen? Und haben wir auch vergessen, dass keine Bürgertochter heiraten konnte, wen sie wollte? Dass Ehemänner von den Vätern der Bürgertöchter sozusagen mit der Mitgift „gekauft“ werden mussten?
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Früher war alles anders – vor allem schlechter für Frauen
Es handelt sich zwar um eine Glosse, und wir wollen hier dem „Hamburger Abendblatt“ ja nicht zu nahe treten. Aber mich sticht es immer, wenn jemand – sei es in einer Glosse oder nicht – die gute, alte Zeit verherrlicht.
Das klingt dann so: „Früher mussten sich die Männer anstrengen, um eine Frau zu finden“. Da ist das Wort: „früher“ … wenn denn nun „früher“? In der Blütezeit des Bürgertums, etwa bis zum Ende des 19. Jahrhunderts? Da mussten sich die Väter mit viel Geld bemühen, ihre Töchter an den Mann zu bringen – denn über die Heiratsmöglichkeiten der Tochter entschied die Höhe der väterlichen Mitgift. Oder wie war es auf dem buchstäblich ausgebluteten Partnermarkt nach 1917 oder 1945? Wer, bitte schön, musste sich da „anstrengen“ um einen Partner zu finden?
Erst in der Jetztzeit müssen sich Männer wirklich anstrengen, um eine Partnerin zu finden, und das tun sie auch nach Kräften. Heute kann es sehr schwierig für einen Mann sein – denn zwar ist das Angebot an Frauen quantitativ völlig ausreichend, aber diese Frauen setzen die Hürden für Partnerschaften auch sehr hoch. Das bedeutet letztlich nichts anderes, als dass der Mann lange suchen und dabei manche Rückschläge in Kauf nehmen muss.
Das klingt dann so: „Früher mussten sich die Männer anstrengen, um eine Frau zu finden“. Da ist das Wort: „früher“ … wenn denn nun „früher“? In der Blütezeit des Bürgertums, etwa bis zum Ende des 19. Jahrhunderts? Da mussten sich die Väter mit viel Geld bemühen, ihre Töchter an den Mann zu bringen – denn über die Heiratsmöglichkeiten der Tochter entschied die Höhe der väterlichen Mitgift. Oder wie war es auf dem buchstäblich ausgebluteten Partnermarkt nach 1917 oder 1945? Wer, bitte schön, musste sich da „anstrengen“ um einen Partner zu finden?
Erst in der Jetztzeit müssen sich Männer wirklich anstrengen, um eine Partnerin zu finden, und das tun sie auch nach Kräften. Heute kann es sehr schwierig für einen Mann sein – denn zwar ist das Angebot an Frauen quantitativ völlig ausreichend, aber diese Frauen setzen die Hürden für Partnerschaften auch sehr hoch. Das bedeutet letztlich nichts anderes, als dass der Mann lange suchen und dabei manche Rückschläge in Kauf nehmen muss.
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