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Wenn die Online-Liebe enttäuscht – online wehklagen?
Die Washington Post schrieb dieser Tage über zwei US-amerikanische Webdienste, bei denen sich Menschen ausweinen können, die „schlechte“ Online-Dates hatten.
Sehr eindrucksvoll war der Artikel nicht, und auch die Stellungnahmen der Fachleute wie auch der Betreiber warn nicht sehr aussagefähig. Klar wurde lediglich dies: Miese Dates rauben einem den Spaß am Dating – aber das ist nun einmal bei zwischenmenschlichen Begegnungen so – mann kann von Menschen enttäuscht werden.
Es fragt sich nur, welchen Sinn es hat, die meist negativen Erlebnisse zu veröffentlichen, denn das Geschehen spielt sich ja immer zwischen zwei Individuen ab – und üblicherweise hat immer derjenige recht, der schreibt. Also bleiben am Ende ein paar Geschichten übrig – und zu denen sage mindestens ich dann: Na und? Dachten Sie etwa, die Welt des Online-Dating sie frei von Schwierigkeiten?
Via: Online Personal Watch
Sehr eindrucksvoll war der Artikel nicht, und auch die Stellungnahmen der Fachleute wie auch der Betreiber warn nicht sehr aussagefähig. Klar wurde lediglich dies: Miese Dates rauben einem den Spaß am Dating – aber das ist nun einmal bei zwischenmenschlichen Begegnungen so – mann kann von Menschen enttäuscht werden.
Es fragt sich nur, welchen Sinn es hat, die meist negativen Erlebnisse zu veröffentlichen, denn das Geschehen spielt sich ja immer zwischen zwei Individuen ab – und üblicherweise hat immer derjenige recht, der schreibt. Also bleiben am Ende ein paar Geschichten übrig – und zu denen sage mindestens ich dann: Na und? Dachten Sie etwa, die Welt des Online-Dating sie frei von Schwierigkeiten?
Via: Online Personal Watch
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Der Kommentar: Transparenz statt Arroganz
Wer einen Partner sucht, sucht einen Partner, und daher ist nur zu verständlich, wenn er manchmal wenig auf die AGB achtet – die „Allgemeinen Geschäftsbedingungen“. In denen steht dann zumeist, dass sich Abonnements verlängern – einfach so, ohne eine neue Willenserklärung des Kunden. Nimmt man noch die teilweise äußerst komplizierten und ärgerlichen Kündigungsprozeduren einiger Firmen hinzu, und hört man sich die Rechtfertigungsversuche an, so kann man nur noch den Kopf schütteln über so viel Arroganz.
Eine Partnersuche kann 3 Monate, ein halbes Jahr oder meinetwegen auch 19 Monate dauern, wie die Studie von partner.de ergeben haben will. Jeder ist eben seines Glückes Schmied und nicht alle Menschen sind entscheidungsfreudig. Doch wie lange sie dauerte, und wie lange man Mitglied in einer Agentur bleiben will, soll bitteschön der Partnersuchende entscheiden – und nur er.
Die derzeitige Abo-Praxis, das wissen wir auch ohne Studie, verärgert die Kunden, zumal, wenn sie gerade eine aussichtsreiche Beziehung begonnen haben und ihnen die Abo-Verlängerung dann aufs Konto und auf den Magen schlägt. Und nur am Rande: Fast jeder Partnersuchende würde sich über mehr Transparenz und weniger Arroganz der Branche freuen - Journalisten übrigens durchaus eingeschlossen.
Deshalb ist partner.de mit seinem neuen Konzept auf dem richtigen Weg – es ist nur noch die Frage, ob dies auch die Kunden so sehen.
Eine Partnersuche kann 3 Monate, ein halbes Jahr oder meinetwegen auch 19 Monate dauern, wie die Studie von partner.de ergeben haben will. Jeder ist eben seines Glückes Schmied und nicht alle Menschen sind entscheidungsfreudig. Doch wie lange sie dauerte, und wie lange man Mitglied in einer Agentur bleiben will, soll bitteschön der Partnersuchende entscheiden – und nur er.
Die derzeitige Abo-Praxis, das wissen wir auch ohne Studie, verärgert die Kunden, zumal, wenn sie gerade eine aussichtsreiche Beziehung begonnen haben und ihnen die Abo-Verlängerung dann aufs Konto und auf den Magen schlägt. Und nur am Rande: Fast jeder Partnersuchende würde sich über mehr Transparenz und weniger Arroganz der Branche freuen - Journalisten übrigens durchaus eingeschlossen.
Deshalb ist partner.de mit seinem neuen Konzept auf dem richtigen Weg – es ist nur noch die Frage, ob dies auch die Kunden so sehen.
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Die Werbungskosten der Branche: eher weniger als mehr
Wie die Liebepur erfuhr, sind die Werbungskosten der gesamten Dating-Branche zwar in der Summe gestiegen, doch gibt es in der Betrachtung einzelner Unternehmen erhebliche Unterschiede. Die Gesamtsumme (107,2 Mio. Euro) wird nämlich im Jahr 2009 nur durch die starken Werbeaktivitäten von eDarling erreicht, denn Affinitas, die „Mutter“ von eDarling, setzte im Jahr 2009 Werbung im Bruttowert von 19,1 Mio. Euro ein.
Reduzierungen der Werbeausgaben in der Branche in 2009
Rechnet man diesen Betrag aus dem Gesamtpaket heraus, so ergibt sich keine Steigerung, sondern eine Reduzierung von 97,1 Mio. Euro in 2008 auf auf 88,1 Mio. Euro in 2009, also eine deutliche Abnahme gegenüber dem Vorjahr. Besonders auffällig ist die Abnahme der Werbeausgaben beim Betreiber be2, bei dem die Brutto-Werbeausgaben von 5,6 Mio. Euro in 2008 auf 1,7 Mio. Euro in 2009 sanken.
Starker Anstieg der Werbeausgaben nur in Einzelfällen
Laut Nielsen-Institut hat besonders das Unternehmen Elitemedianet, Hamburg, die Mutter von EliteParner, mit 121,4 Prozent oder 7,7 Mio. Euro in 2009 zugelegt, während die meisten auch früher schon werbestarken Unternehmen ihre Ausgaben für Werbemaßnahmen eher etwas zurückgefahren haben.
Die größte prozentuale Steigerung überhaupt (außer eDarling-Betreiber Affinitas) wies die Marvelo Media in Bukarest auf, die das Portal sexpartnerclub.de betreibt. Sie hob die Werbeausgaben von 0,3 Mio, Euro in 2008 auf satte 2,9 Mio. Euro in 2009 an. Auch Freenet.de stieg in die Werbeliga mit 1,1 Mio Euro ein.
Effektivität der Werbemaßnahmen: die Branche schweigt sich aus
Sehr unklar bleib, ob die einsparten oder mehr ausgegebenen Millionen wirklich effektiv waren. Da die Branche bei Informationen über die Effektivität von Werbemaßnahmen derzeit noch mehr „mauert“ als jemals zuvor, werden wir es wohl kaum erfahren.
Alle Zahlenangaben: Nielsen (die genannten Zahlen stehen nicht alle in der Pressemitteilung)
Reduzierungen der Werbeausgaben in der Branche in 2009
Rechnet man diesen Betrag aus dem Gesamtpaket heraus, so ergibt sich keine Steigerung, sondern eine Reduzierung von 97,1 Mio. Euro in 2008 auf auf 88,1 Mio. Euro in 2009, also eine deutliche Abnahme gegenüber dem Vorjahr. Besonders auffällig ist die Abnahme der Werbeausgaben beim Betreiber be2, bei dem die Brutto-Werbeausgaben von 5,6 Mio. Euro in 2008 auf 1,7 Mio. Euro in 2009 sanken.
Starker Anstieg der Werbeausgaben nur in Einzelfällen
Laut Nielsen-Institut hat besonders das Unternehmen Elitemedianet, Hamburg, die Mutter von EliteParner, mit 121,4 Prozent oder 7,7 Mio. Euro in 2009 zugelegt, während die meisten auch früher schon werbestarken Unternehmen ihre Ausgaben für Werbemaßnahmen eher etwas zurückgefahren haben.
Die größte prozentuale Steigerung überhaupt (außer eDarling-Betreiber Affinitas) wies die Marvelo Media in Bukarest auf, die das Portal sexpartnerclub.de betreibt. Sie hob die Werbeausgaben von 0,3 Mio, Euro in 2008 auf satte 2,9 Mio. Euro in 2009 an. Auch Freenet.de stieg in die Werbeliga mit 1,1 Mio Euro ein.
Effektivität der Werbemaßnahmen: die Branche schweigt sich aus
Sehr unklar bleib, ob die einsparten oder mehr ausgegebenen Millionen wirklich effektiv waren. Da die Branche bei Informationen über die Effektivität von Werbemaßnahmen derzeit noch mehr „mauert“ als jemals zuvor, werden wir es wohl kaum erfahren.
Alle Zahlenangaben: Nielsen (die genannten Zahlen stehen nicht alle in der Pressemitteilung)
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Was sagt die Dating-Branche zu Koydo?
Lassen Sie mich etwas vorausschicken: Die Branche der Online-Partnervermittler und Singlebörsenbetreiber war mit Stellungnahmen äußerst zurückhaltend. Manches dufte ich nicht unter Namensnennung schreiben, und bei einem Unternehmen wurde die zunächst freizügig gegebene Erklärung nach einer Woche zurückgezogen. Aufgrund dieser Tatsachen gebe ich Ihnen hier ein anonymisiertes Stimmungsbild, das auf den Recherchen der Liebepur beruht. Wir hätten dennoch einige Namen nennen können, haben uns aber letztlich entscheiden, auch die freigegebenen Beiträge zu anonymisieren. Die Ansichten von Koydo selbst zur Anonymität finden Sie bei der Liebepur (wo sonst?) und die grundsätzlichen Fragen zu Koydo dann hier.
Als die ersten Pressemitteilungen von Koydo im Internet erschienen, nahm kaum jemand Notiz von der Idee. Erst die Berichterstattung der WELT führte dann dazu, dass man sich in den Vorstandsetagen der namhaften Unternehmen Gedanken machte. Eine der Hauptbefürchtungen ist der mögliche Verlust von Kunden, wenn die Anonymität der Partnersuchenden ausgehöhlt wird. Allgemeiner Tenor: „Wenn wir Bewertungen wirklich gewollt hätten, dann wären sie bereits auf unseren Webseiten“ – und in der Tat gibt es durchaus einige wenige Single- und Flirtbörsen, bei denen Partner bewertet werden.
Ob dies der Fall ist, wird von den meisten Unternehmen inzwischen beobachtet, und bei vielen Unternehmen wird bereits diskutiert, wie man Kunden in Zukunft besser schützen kann, denn die Verbindung Koydo – Singlebörse oder Koydo - Partneragentur wird über einen relativ simplen Code hergestellt, der durchaus so verändert werden könnte, dass die Rückwärtsrecherche verunmöglicht wird. Gerade die Rückwärtsrecherche aber ist es, die den Datenschützern Kopfzerbrechen macht: Wäre es beispielsweise möglich, von Koydo aus die persönlichen Daten (wozu unserer Meinung auch Foto, Alter und Wohnort gehören) direkt abzugreifen, dann könnten Programme, die „Data Mining“ betrieben, diese Daten auch auswerten. Wie sich in einem Test der Liebepur zeigte, ist es allerdings gegenwärtig recht schwierig, bei seriösen Anbietern eine Rückwärtsrecherche durchzuführen.
Man kann generell sagen, dass Bewertungen von Menschen den ethischen Grundsätzen der meisten Online-Partnervermittler widersprechen. Einer drückte dies gegenüber der Liebepur explizit so aus: „(Das Angebot) … widerspricht nicht nur unseren Werten, sondern stellt zudem eine Gefahr für unsere Kunden und ihre Privatsphäre dar“. Ein anderer Anbieter fürchtet, dass „Partnersuchende zum öffentlichen Objekt“ werden könnten, insbesondere dann, wenn sich „die Enttäuschung über ein Date in einer öffentlichen Bewertung niederschlagen“ würde. Ein weiterer namhafter Anbieter wollte nicht Stellung beziehen, überprüft aber ebenfalls die möglichen Konsequenzen, die sich aus einer Bewertung ergeben könnten. Andere sehen jedoch offenbar gar keine Probleme auf sich zukommen: Sie sagen, Koydo habe inzwischen glaubhaft bestätigt, dass keine Gefahr für die Anonymität der Mitglieder bestehen würde, was die Liebepur nun wieder für übertrieben blauäugig hält.
Inzwischen hat sich die Situation aus einem anderen Grund wieder entschärft: Die Bewertungs-Wut der deutschen Partnersuchenden ist vermutlich geringer, als angenommen wurde. Außerdem ist die „Verweildauer“ auf Singlebörsen eher deutlich begrenzt, was in der Praxis bedeutet dass Singles mit festen Absichten relativ schnell einen Partner finden. Auch mathematisch will die Rechnung nicht aufgehen, dass tatsächlich ein hoher Prozentsatz der Singles bewertet wird.
Die Liebepur hat bei ihren Kontakten den Eindruck gewonnen, dass die Branche das Thema „Koydo“ intern scharf beobachtet, nach Außen aber Gelassenheit demonstriert. Einer der Gründe dafür ist, dass das Prinzip von Koydo schon bei einer anderen Firma verwendet wurde – und dort bislang kaum Presseresonanz fand. Letztlich – aber nicht endlich – sollte man Partnersuchenden unterstellen, dass sie wahrhaftig andere Überlegungen nach ihren Dates haben, als ausgerechnet Mitglieder zu bewerten.
Als die ersten Pressemitteilungen von Koydo im Internet erschienen, nahm kaum jemand Notiz von der Idee. Erst die Berichterstattung der WELT führte dann dazu, dass man sich in den Vorstandsetagen der namhaften Unternehmen Gedanken machte. Eine der Hauptbefürchtungen ist der mögliche Verlust von Kunden, wenn die Anonymität der Partnersuchenden ausgehöhlt wird. Allgemeiner Tenor: „Wenn wir Bewertungen wirklich gewollt hätten, dann wären sie bereits auf unseren Webseiten“ – und in der Tat gibt es durchaus einige wenige Single- und Flirtbörsen, bei denen Partner bewertet werden.
Ob dies der Fall ist, wird von den meisten Unternehmen inzwischen beobachtet, und bei vielen Unternehmen wird bereits diskutiert, wie man Kunden in Zukunft besser schützen kann, denn die Verbindung Koydo – Singlebörse oder Koydo - Partneragentur wird über einen relativ simplen Code hergestellt, der durchaus so verändert werden könnte, dass die Rückwärtsrecherche verunmöglicht wird. Gerade die Rückwärtsrecherche aber ist es, die den Datenschützern Kopfzerbrechen macht: Wäre es beispielsweise möglich, von Koydo aus die persönlichen Daten (wozu unserer Meinung auch Foto, Alter und Wohnort gehören) direkt abzugreifen, dann könnten Programme, die „Data Mining“ betrieben, diese Daten auch auswerten. Wie sich in einem Test der Liebepur zeigte, ist es allerdings gegenwärtig recht schwierig, bei seriösen Anbietern eine Rückwärtsrecherche durchzuführen.
Man kann generell sagen, dass Bewertungen von Menschen den ethischen Grundsätzen der meisten Online-Partnervermittler widersprechen. Einer drückte dies gegenüber der Liebepur explizit so aus: „(Das Angebot) … widerspricht nicht nur unseren Werten, sondern stellt zudem eine Gefahr für unsere Kunden und ihre Privatsphäre dar“. Ein anderer Anbieter fürchtet, dass „Partnersuchende zum öffentlichen Objekt“ werden könnten, insbesondere dann, wenn sich „die Enttäuschung über ein Date in einer öffentlichen Bewertung niederschlagen“ würde. Ein weiterer namhafter Anbieter wollte nicht Stellung beziehen, überprüft aber ebenfalls die möglichen Konsequenzen, die sich aus einer Bewertung ergeben könnten. Andere sehen jedoch offenbar gar keine Probleme auf sich zukommen: Sie sagen, Koydo habe inzwischen glaubhaft bestätigt, dass keine Gefahr für die Anonymität der Mitglieder bestehen würde, was die Liebepur nun wieder für übertrieben blauäugig hält.
Inzwischen hat sich die Situation aus einem anderen Grund wieder entschärft: Die Bewertungs-Wut der deutschen Partnersuchenden ist vermutlich geringer, als angenommen wurde. Außerdem ist die „Verweildauer“ auf Singlebörsen eher deutlich begrenzt, was in der Praxis bedeutet dass Singles mit festen Absichten relativ schnell einen Partner finden. Auch mathematisch will die Rechnung nicht aufgehen, dass tatsächlich ein hoher Prozentsatz der Singles bewertet wird.
Die Liebepur hat bei ihren Kontakten den Eindruck gewonnen, dass die Branche das Thema „Koydo“ intern scharf beobachtet, nach Außen aber Gelassenheit demonstriert. Einer der Gründe dafür ist, dass das Prinzip von Koydo schon bei einer anderen Firma verwendet wurde – und dort bislang kaum Presseresonanz fand. Letztlich – aber nicht endlich – sollte man Partnersuchenden unterstellen, dass sie wahrhaftig andere Überlegungen nach ihren Dates haben, als ausgerechnet Mitglieder zu bewerten.
Koydo mal ganz gewöhnlich - als Web 2.0-Anwendung
Wenn man an Koydo herangehen will, sollte man dies völlig emotionslos tun. Es ist erstens eine Geschäftsidee wie viele andere auch, dann eine typische Web 2.0-Anwendung und schließlich ein Unternehmen, das auf ein „Pferd im Galopp“ aufsitzen will – die Partnersuche boomt, da muss auch noch ein Platz für ergänzende Dienstleistungen sein.
Die Kernidee von Web 2.0 ist ja die: Die Betreiber geben sich von vornherein keine Mühe mit Inhalten, weil die von den Nutzern kommen, stellen aber die notwendige Umgebung dafür zur Verfügung. Mit anderen Worten: Die Benutzer arbeiten kostenlos für die Inhalte, die Betreiber hoffen auf den Profit. Das funktioniert leidlich bei YouTube, Flickr, MySpace und StudiVZ, und in Deutschland sogar recht gut beim Geschäftsportal XING. Ähnlich arbeiten auch Bewertungsportale, allen voran Ciao, wobei das letztgenannte dank der dort erwähnten vielfältigen Produkte inzwischen sehr viel Geld wert ist: 2008 kaufte Microsoft das Unternehmen für 486 Millionen USD. Ganz generell lässt sich sagen, dass Web 2.0-Unternehmen ihre Gründer überwiegend durch Verkäufe reich gemacht haben, weniger durch die erzielten Gewinne aus dem Alltagsgeschäft.
Wie interessant ist nun eine Web 2.0-Anwendung für die Benutzer? Auch diese Frage ist einfach zu beantworten: Wenn sie einem etwas bietet, was man anderwärts nicht besser, jedenfalls aber nicht billiger bekommen kann, dann benutzt man sie – das ist zum Beispiel typisch für Flickr oder YouTube. Bei den Produktbewertungen ist es so: Je populärer und Spektakulärer ein Produkt, umso mehr Bewertungen gibt es. Da Objektivität normalerweise zweitrangig ist, zählt alleine die persönliche Meinung. Zu Friendscout24 beispielsweise gab es am Tag meiner Recherchen 95 Erfahrungsberichte, bei Parship waren es 155 – wenn man ein paar davon gelesen hat, kommt man fast unweigerlich zu dem Schluss: Auch die als „sehr hilfreich“ eingestuften Bewertungen sind oft wenig aussagekräftig, weil sie sehr persönlich eingefärbt sind.
Nun wird es aber erst richtig interessant: Wenn man die 95 Erfahrungsberichte (bei Friendscout) in Relation zu den angeblichen sechs Millionen deutschen Singles bei Friendscout setzt, dann kommt ein Prozentsatz heraus, der beim besten Willen nicht als relevant angesehen werden kann. Wobei wir bei der Schwäche der Bewertungsportale wären: Die Objektivität ist schwach ausgeprägt, die Kompetenz selten vorhanden, und die Ergebnisse wirken eher wie Zufälle.
Von der Produktbewertung zur Menschenbewertung ist es ein großer Schritt. Ist schon die Produktbewertung im Internet eher subjektiv geprägt, so kann die Menschenbewertung eigentlich auch nur subjektiv sein. Jeder, der schon einmal an einem Stammtisch eine politische Diskussion verfolgt hat, weiß, von wie wenig Sachkenntnis und Menschenverstand diese getrübt sind: Da werden einfach Meinungen geäußert: Hier bin ich Mensch, hier darf ich reden. Die bisherigen öffentlichen „Menschenbewertungen“ betrafen Professoren und Lehrer, aber auch bereits Huren. Bei all diesen Gruppen könnte man eventuell man noch davon reden, dass ihre Leistungen ja mehr oder weniger etwas mit der Öffentlichkeit zu tun haben – bei Partnersuchenden kann man es nicht. Wer einen Partner sucht, bietet keine Dienstleistung an, sondern tut etwas rein Privates, das nicht in der Öffentlichkeit breit getreten werden sollte. Wer es dennoch tut, wie in diversen Kuppelshows gezeigt, ist selber schuld.
Kommen wir also auf die Partnersuchenden: All das, was Koydo tut, ist nicht neu. Es gab öffentliche, halbwegs anonymisierte Partnerbewertungen bereits vor Koydo, und es gibt seit sehr langer Zeit bereits „bewertete“ Partnerprofile innerhalb von Singlebörsen. Dazu ist nun allerdings dies zu sagen:Ein feiner Mann oder eine Frau von Stand wollte sich noch niemals öffentlich bewerten lassen und vermied daher, auf solchen Partnerbörsen zu erscheinen. Nun wird es sich nicht mehr vermeiden lassen, dass es einem passieren könnte – doch wie groß sind Chancen und Risiken?
Mathematisch gesehen ist beides sehr gering. Die deutschen Anbieter bekommen täglich geschätzte 10.000 Neuanmeldungen, aus denen auch neue Vollmitglieder gewonnen werden. Täglich finden in Deutschland viele Tausend Dates statt (die genaue Zahl ist unbekannt) und die meisten dieser Dates finden niemals ihren Weg an die Öffentlichkeit, weil die Partner gar nicht daran interessiert sind.
Selbst wer im Prinzip interessiert wäre, nicht nur andere, sondern auch sich selbst öffentlich zu zeigen, muss zunächst einmal Koydo kennen, dann überzeugt davon sein, dass es ihm selbst gut tut, dort zu bewerten und schließlich Freude daran haben, so etwas überhaupt zu tun.
Nicht zuletzt haben Profile kurze Laufzeiten: je seriöser und attraktiver das Angebot, umso kürzer ist die Laufzeit. Manche Experten sagen, dass man bei gezielter Suche innerhalb von drei Monaten einen Partner findet, manche geben einem dazu sechs Monate. In dieser Zeit können Partnersuchende, die auch mal verschnaufen wollen, höchstens sechs bis 24 Dates haben – und hat es nach dem ersten Date geklappt, dann ist die Bewertung sowieso wertlos. Immerhin glauben Experten, dass ein großer Teil der Profile nur wegen der Vertragsverlängerungspolitik der Unternehmen so lange erhalten bleibt – aber nicht, weil auch im letzten Quartal noch Partner gesucht werden.
Was ist unser Fazit?
Koydo ist zunächst sehr offensiv an die Presse gegangen und hat damit viel Staub aufgewirbelt. Doch was bleibt bei nüchterner Betrachtung? Eine neue Web 2.0-Idee tritt neben viel andere, und vor allem der eigene Nutzen, den die Bewertenden aus dem Portal ziehen, ist fraglich. Wenn es dennoch ein Erfolg werden sollte, dann dort, wo man lange und unermüdlich immer wieder neue Kontakte unter den gleichen Nicks sucht – im Bereich des „Casual Dating“.
Lesen Sie morgen noch: „Was die Dating-Branche über Bewertungsportale denkt“ – und lassen Sie sich davon überraschen. Wir beenden damit dann vorläufig unsere aktuelle Berichterstattung über Koydo und warten einmal ab, wie sich die Idee in den nächsten Monaten entwickelt.
Die Kernidee von Web 2.0 ist ja die: Die Betreiber geben sich von vornherein keine Mühe mit Inhalten, weil die von den Nutzern kommen, stellen aber die notwendige Umgebung dafür zur Verfügung. Mit anderen Worten: Die Benutzer arbeiten kostenlos für die Inhalte, die Betreiber hoffen auf den Profit. Das funktioniert leidlich bei YouTube, Flickr, MySpace und StudiVZ, und in Deutschland sogar recht gut beim Geschäftsportal XING. Ähnlich arbeiten auch Bewertungsportale, allen voran Ciao, wobei das letztgenannte dank der dort erwähnten vielfältigen Produkte inzwischen sehr viel Geld wert ist: 2008 kaufte Microsoft das Unternehmen für 486 Millionen USD. Ganz generell lässt sich sagen, dass Web 2.0-Unternehmen ihre Gründer überwiegend durch Verkäufe reich gemacht haben, weniger durch die erzielten Gewinne aus dem Alltagsgeschäft.
Wie interessant ist nun eine Web 2.0-Anwendung für die Benutzer? Auch diese Frage ist einfach zu beantworten: Wenn sie einem etwas bietet, was man anderwärts nicht besser, jedenfalls aber nicht billiger bekommen kann, dann benutzt man sie – das ist zum Beispiel typisch für Flickr oder YouTube. Bei den Produktbewertungen ist es so: Je populärer und Spektakulärer ein Produkt, umso mehr Bewertungen gibt es. Da Objektivität normalerweise zweitrangig ist, zählt alleine die persönliche Meinung. Zu Friendscout24 beispielsweise gab es am Tag meiner Recherchen 95 Erfahrungsberichte, bei Parship waren es 155 – wenn man ein paar davon gelesen hat, kommt man fast unweigerlich zu dem Schluss: Auch die als „sehr hilfreich“ eingestuften Bewertungen sind oft wenig aussagekräftig, weil sie sehr persönlich eingefärbt sind.
Nun wird es aber erst richtig interessant: Wenn man die 95 Erfahrungsberichte (bei Friendscout) in Relation zu den angeblichen sechs Millionen deutschen Singles bei Friendscout setzt, dann kommt ein Prozentsatz heraus, der beim besten Willen nicht als relevant angesehen werden kann. Wobei wir bei der Schwäche der Bewertungsportale wären: Die Objektivität ist schwach ausgeprägt, die Kompetenz selten vorhanden, und die Ergebnisse wirken eher wie Zufälle.
Von der Produktbewertung zur Menschenbewertung ist es ein großer Schritt. Ist schon die Produktbewertung im Internet eher subjektiv geprägt, so kann die Menschenbewertung eigentlich auch nur subjektiv sein. Jeder, der schon einmal an einem Stammtisch eine politische Diskussion verfolgt hat, weiß, von wie wenig Sachkenntnis und Menschenverstand diese getrübt sind: Da werden einfach Meinungen geäußert: Hier bin ich Mensch, hier darf ich reden. Die bisherigen öffentlichen „Menschenbewertungen“ betrafen Professoren und Lehrer, aber auch bereits Huren. Bei all diesen Gruppen könnte man eventuell man noch davon reden, dass ihre Leistungen ja mehr oder weniger etwas mit der Öffentlichkeit zu tun haben – bei Partnersuchenden kann man es nicht. Wer einen Partner sucht, bietet keine Dienstleistung an, sondern tut etwas rein Privates, das nicht in der Öffentlichkeit breit getreten werden sollte. Wer es dennoch tut, wie in diversen Kuppelshows gezeigt, ist selber schuld.
Kommen wir also auf die Partnersuchenden: All das, was Koydo tut, ist nicht neu. Es gab öffentliche, halbwegs anonymisierte Partnerbewertungen bereits vor Koydo, und es gibt seit sehr langer Zeit bereits „bewertete“ Partnerprofile innerhalb von Singlebörsen. Dazu ist nun allerdings dies zu sagen:Ein feiner Mann oder eine Frau von Stand wollte sich noch niemals öffentlich bewerten lassen und vermied daher, auf solchen Partnerbörsen zu erscheinen. Nun wird es sich nicht mehr vermeiden lassen, dass es einem passieren könnte – doch wie groß sind Chancen und Risiken?
Mathematisch gesehen ist beides sehr gering. Die deutschen Anbieter bekommen täglich geschätzte 10.000 Neuanmeldungen, aus denen auch neue Vollmitglieder gewonnen werden. Täglich finden in Deutschland viele Tausend Dates statt (die genaue Zahl ist unbekannt) und die meisten dieser Dates finden niemals ihren Weg an die Öffentlichkeit, weil die Partner gar nicht daran interessiert sind.
Selbst wer im Prinzip interessiert wäre, nicht nur andere, sondern auch sich selbst öffentlich zu zeigen, muss zunächst einmal Koydo kennen, dann überzeugt davon sein, dass es ihm selbst gut tut, dort zu bewerten und schließlich Freude daran haben, so etwas überhaupt zu tun.
Nicht zuletzt haben Profile kurze Laufzeiten: je seriöser und attraktiver das Angebot, umso kürzer ist die Laufzeit. Manche Experten sagen, dass man bei gezielter Suche innerhalb von drei Monaten einen Partner findet, manche geben einem dazu sechs Monate. In dieser Zeit können Partnersuchende, die auch mal verschnaufen wollen, höchstens sechs bis 24 Dates haben – und hat es nach dem ersten Date geklappt, dann ist die Bewertung sowieso wertlos. Immerhin glauben Experten, dass ein großer Teil der Profile nur wegen der Vertragsverlängerungspolitik der Unternehmen so lange erhalten bleibt – aber nicht, weil auch im letzten Quartal noch Partner gesucht werden.
Was ist unser Fazit?
Koydo ist zunächst sehr offensiv an die Presse gegangen und hat damit viel Staub aufgewirbelt. Doch was bleibt bei nüchterner Betrachtung? Eine neue Web 2.0-Idee tritt neben viel andere, und vor allem der eigene Nutzen, den die Bewertenden aus dem Portal ziehen, ist fraglich. Wenn es dennoch ein Erfolg werden sollte, dann dort, wo man lange und unermüdlich immer wieder neue Kontakte unter den gleichen Nicks sucht – im Bereich des „Casual Dating“.
Lesen Sie morgen noch: „Was die Dating-Branche über Bewertungsportale denkt“ – und lassen Sie sich davon überraschen. Wir beenden damit dann vorläufig unsere aktuelle Berichterstattung über Koydo und warten einmal ab, wie sich die Idee in den nächsten Monaten entwickelt.
Dieser Artikel enthält bisher noch keine Kommentare
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